Warum fensterlose Zonen gezielt geplant werden müssen
Fensterlose Flure und innenliegende Bäder sind in vielen deutschen Mietwohnungen Standard, vor allem in Altbauten und kompakt geschnittenen Neubauten. Typische Probleme: es ist zu dunkel, zu ungemütlich und oft auch unpraktisch im Alltag.
Die gute Nachricht: Mit durchdachter Lichtplanung, ein paar baumarktüblichen Komponenten und kleinem Budget lassen sich diese Zonen deutlich verbessern - ohne Wände aufzureißen oder den Vermieter zu stressen.
In diesem Artikel geht es konkret darum, wie du dunkle Flure und fensterlose Bäder mit geeigneten Leuchten, Farben und einfachen Maßnahmen so aufrüstest, dass sie hell, sicher und alltagstauglich werden.
Wir bleiben dabei realistisch: typische Mietwohnung, Deckenhöhe 2,40 - 2,70 m, keine aufwendige Elektroinstallation, Budget von ca. 150 bis 600 Euro je Zone.
- Flur: Orientierung, Garderobe, Schuhe, ggf. Stauraum
- Badezimmer: Spiegel, Dusche/Badewanne, WC, Waschbecken, ggf. Waschmaschine
- Beide: kein Tageslicht, oft schlauchförmig, teils nur eine Deckenleuchte vorhanden
Bevor du loslegst, solltest du ein paar Grundfragen klären.
- Habe ich geprüft, ob die vorhandenen Anschlüsse sicher sind (Sicherungskasten, FI-Schalter)?
- Kann ich mindestens 2 bis 3 Leuchten pro Raum anbringen (Decke, Wand, Spiegelbereich)?
- Bin ich bereit, Leuchten mit hoher Lichtausbeute (LED) zu wählen, auch wenn sie weniger dekorativ wirken?
- Darf ich in die Wände/Decke bohren (Mietvertrag, Vermieter)?
- Bin ich bereit, warmweiße und neutralweiße Lichtfarben zu kombinieren und auszuprobieren?
- Ist ein kleiner Kabelkanal an Wand oder Decke optisch akzeptabel für mich?
- Kann ich kurzfristig kleine Malerarbeiten (weißen) ausführen, falls nötig?

Grundlagen: Lichtfarbe, Helligkeit und Sicherheit in dunklen Zonen
Ohne Tageslicht musst du mit Kunstlicht alles leisten: Helligkeit, Orientierung, Sicherheit und Atmosphäre. Drei technische Begriffe sind wichtig:
Lichtfarbe (Kelvin) richtig wählen
- 2700 - 3000 K (warmweiß): gemütlich, wohnlich, gut für Flur, WC, Abendstimmung
- 3500 - 4000 K (neutralweiß): sachlich, klar, ideal für Spiegelbereich im Bad oder Putzaktionen
- Unter 2700 K wirkt oft zu gelb, über 4000 K schnell zu klinisch in kleinen Räumen
Praxisempfehlung:
- Flur: überwiegend warmweiß (2700 - 3000 K)
- Badezimmer: Kombination aus warmweiß (Grundlicht) und neutralweiß (Spiegel)
Helligkeit (Lumen) statt Watt denken
In fensterlosen Zonen brauchst du mehr Lumen als in Räumen mit Tageslicht.
- Schmaler Flur (4 - 6 m²): insgesamt ca. 800 - 1200 Lumen
- Größerer Flur (8 - 10 m²): 1200 - 2000 Lumen
- Innenliegendes Bad 4 - 6 m²: 1000 - 1800 Lumen, aufgeteilt auf Decke + Spiegel
Konkretes Beispiel:
- Bad, 5 m²: 1 Deckenleuchte mit ca. 1000 Lumen + Spiegellicht mit ca. 600 - 800 Lumen
- Flur, 7 m²: 2 - 3 Decken- oder Wandspots mit jeweils 400 - 600 Lumen
Sicherheit: IP-Schutz und Leitungslasten
Im Badezimmer musst du auf die Schutzart achten, vor allem in der Nähe von Dusche/Badewanne.
- Über Waschbecken und Spiegel, außerhalb der Spritzbereiche: meist IP20 ausreichend
- Im Spritzwasserbereich: mindestens IP44 verwenden
- Direkt in der Dusche: in der Regel IP65 oder höher, besser Elektriker fragen
Für Flure gilt eher: Leitungsbelastung und Qualität der Installation prüfen, vor allem in älteren Häusern. Wenn du mehr als nur die Leuchten tauschst (z. B. zusätzliche Unterputzdose, Schalterverlegung), unbedingt einen Elektriker einbinden.
Fensterlosen Flur planen: Zonen statt eine Deckenfunzel
Viele Flure haben nur eine zentrale Deckenleuchte, oft mit einer schwachen LED-Birne. Das führt zu harten Schatten und einem Tunnelgefühl. Besser ist eine zonierte Lösung.
Schritt 1: Flur in Funktionen aufteilen
Nimm Maßband und Notizblock und markiere auf einem einfachen Grundriss:
- Eingangsbereich mit Garderobe/Schuhen
- Laufzone (Durchgang zu Zimmern)
- Abstellnische, Kommode oder Spiegelzone
- Eventuell dunkle Ecken ohne direkte Funktion
Jede dieser Zonen bekommt eine eigene Lichtlösung oder zumindest einen klaren Lichtakzent.
Schritt 2: Deckenlicht - gleichmäßig und blendfrei
Für schlauchartige Flure bieten sich mehrere kleine Leuchten statt einer großen an.
- Option 1: Flache LED-Deckenpanels (z. B. 30 x 30 cm), 2 bis 3 Stück in Reihe
- Option 2: Kleine Aufbauspots auf Schiene oder als Einzelleuchten
- Option 3: LED-Lichtleisten an Decke oder oberhalb der Wände entlang
Wichtig:
- Höhe: bei 2,40 m lieber flache Leuchten, sonst wirkt die Decke gedrückt
- Blendfreiheit: mattierte Abdeckungen, keine nackten Spots direkt in Augenhöhe
- Lichtfarbe: 2700 - 3000 K, besser wohnlich als bürohaft
Schritt 3: Wandlicht für Orientierung und Atmosphäre
Wandleuchten helfen, den Flur breiter und freundlicher wirken zu lassen.
- An langen Wänden: 2 bis 3 kleine Wandleuchten, nach oben und unten strahlend
- Bei Bildern oder Spiegel: gerichtetes, aber weiches Licht
- Über schmalen Konsolen: kleine, schmale Leuchten, damit man nicht dagegen stößt
Wenn du keine zusätzlichen Auslässe hast, nutze:
- Steckdosenleuchten mit Kabel und Clip oder Schraubbefestigung
- Kabelkanäle in Wandfarbe, um Kabel zu tarnen
- Schaltbare Steckdosen bzw. Funkschalter, damit du nicht dauernd zur Steckdose musst
Schritt 4: Lichtsteuerung - Bewegungsmelder im Flur sinnvoll nutzen
Flure eignen sich sehr gut für Präsenzmelder, vor allem wenn Kinder oder ältere Personen im Haushalt sind.
- Funk-Zwischenstecker mit Bewegungssensor: keine Installation, ideal für Steckdosenleuchten
- Aufputz-Bewegungsmelder an der Decke, schaltet Deckenlicht automatisch
- Unterputz-Lösung (Elektriker): Schalter gegen Bewegungsmelder tauschen
Praxis-Tipp: Verzögerungszeit eher auf 60 - 120 Sekunden einstellen, sonst nervt ständiges Ausgehen, wenn man im Flur etwas sucht.
Innenliegendes Bad: Mehrschichtige Beleuchtung statt Spiegelfluter allein
Im fensterlosen Bad merkst du schlechte Beleuchtung sofort: Rasieren, Schminken, Putzen und Duschen werden unangenehm. Viele Bäder haben nur eine Leuchte über dem Spiegel oder mittig an der Decke.

Schritt 1: Grundlicht an der Decke
Das Grundlicht sollte den gesamten Raum gleichmäßig ausleuchten, ohne zu blenden.
- Flache LED-Deckenleuchten mit opaler Abdeckung, mind. IP44 wenn nahe Dusche
- Runde oder eckige Form, Durchmesser ca. 25 - 35 cm bei 4 - 6 m² Bad
- Lumen: 800 - 1200, Lichtfarbe 3000 K (warmweiß-neutral)
Montage-Tipp:
- Anschluss meist an der vorhandenen Deckenleitung, Leuchte mit Schnellklemme wählen
- Bei Altbauleitungen unbedingt vorab prüfen, ob die Adern fest sind und Schutzleiter vorhanden ist
Schritt 2: Optimales Spiegellicht für Alltagstätigkeiten
Das Spiegellicht ist im Bad das wichtigste Licht, vor allem in fensterlosen Räumen.
- Leuchte horizontal oberhalb des Spiegels oder als zwei vertikale Leuchten links und rechts
- Lichtfarbe 3500 - 4000 K, damit Hauttöne natürlich wirken
- Blendfrei, mattierte Abdeckung, keine sichtbaren LED-Punkte
- Mind. 500 - 800 Lumen, je nach Spiegelbreite
Ideallösung:
- Spiegelschrank mit integrierter, dimmbarer LED-Beleuchtung und separatem Schalter
- Oder: LED-Spiegelleiste, direkt auf dem Spiegel oder am Rahmen montiert
Schritt 3: Akzent- und Nachtlicht
Gerade in fensterlosen Bädern ist es praktisch, nachts ein schwächeres Licht zu haben, das nicht wachmacht.
- Steckdosen-LED mit Sensor in warmweiß
- Kleine LED-Leiste unter dem Waschtisch oder hinter dem Unterschrank
- Akku-Leuchten mit Bewegungssensor, die magnetisch befestigt werden können
So hast du:
- Volllicht für morgens und zum Putzen
- Weicheres Licht für abends und nachts
- Keine plötzliche „Flutlicht“-Situation mitten in der Nacht
Schritt 4: Farben und Oberflächen für mehr Helligkeit nutzen
Lichtplanung funktioniert besser, wenn Wände und Oberflächen mitspielen.
- Wände möglichst hell halten: Weiß, gebrochenes Weiß, sehr helle Grau- oder Sandtöne
- Großformatige, helle Fliesen reflektieren Licht besser
- Matte statt hochglänzende Oberflächen vermeiden harte Reflexe im grellen Kunstlicht
- Spiegel großzügig dimensionieren, auch seitlich, um Licht zu streuen
Pragmatischer Ansatz für Mietwohnungen:
- Nur den oberen Wandbereich weiß nachstreichen, wenn Fliesenbereich dunkel ist
- Hellen Duschvorhang statt dunkler Glasabtrennung wählen
- Weiße oder helle Badtextilien (Handtücher, Vorleger) bevorzugen
Verkabelung und Montage in der Mietwohnung praxisnah lösen
Viele Vermieter erlauben keine großen Änderungen an der Elektroinstallation. Es gibt jedoch Lösungen, die du rückstandsfrei zurückbauen kannst.
Aufputz statt Unterputz: Was du selbst machen kannst
- Vorhandene Anschlussstelle nutzen und von dort mit Aufputz-Kabelkanal weitere Leuchten versorgen (vom Elektriker anklemmen lassen)
- Steckdosenleuchten verwenden, die du nur einstecken musst
- Akku- oder USB-Leuchten einsetzen, vor allem für Akzentlicht
Bohren ist meist erlaubt, solange Löcher beim Auszug wieder verschlossen werden. Nutze:
- Dübel entsprechend Wandmaterial (Gipskarton, Beton, Ziegel)
- Spezialdübel für Fliesen, falls im Bad direkt in die Fliese gebohrt werden muss
- Alternativ: Klebehalterungen mit Hochleistungsklebeband für leichte Leuchten
Smart-Steuerung ohne Neuverkabelung
Wenn du Komfort willst, ohne Wände zu öffnen, helfen smarte Zwischenlösungen:
- Funk-Zwischenstecker für Steckdosenleuchten, per Fernbedienung oder App schaltbar
- Smart-LED-Lampen in vorhandenen Fassungen, dimmbar und farbtemperaturverstellbar
- Akku-Bewegungssensor-Leuchten für Sockel- und Nachtlicht
Wichtig in fensterlosen Zonen: Gute Funkabdeckung sicherstellen, oft liegt der Flur mitten in der Wohnung. Ein Repeater oder ein zentrales Gateway in Flurnähe kann nötig sein.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Fehler 1: Nur eine sehr helle Deckenleuchte
Eine einzige, sehr starke Lichtquelle erzeugt harte Schatten, blendet und macht den Raum ungemütlich. Besser: mehrere mittelhelle Lichtquellen, verteilt im Raum, ggf. dimmbar.
Fehler 2: Falsche Lichtfarbe im Badezimmer
Reines Warmweiß im Spiegelbereich verfälscht Hauttöne, reines Kaltweiß wirkt im kleinen Bad klinisch. Lösung: neutralweißes Licht direkt am Spiegel, warmweißes Grundlicht an der Decke.
Fehler 3: Keine Bedarfsanalyse der Nutzung
Flur ist nicht gleich Flur, Bad ist nicht gleich Bad. Überlege konkret, was dort wirklich passiert: Jacken suchen, Pakete annehmen, Schminken, Rasieren, Kinder baden. Danach richtest du Lichtstärke und Position aus.
Fehler 4: Dunkle Wände und Deko in fensterlosen Zonen
Dunkle Farben und schwere Deko schlucken viel Licht. In fensterlosen Bereichen immer zuerst Funktion, dann Deko. Wenn Farbe, dann als kleiner Akzent, nicht als flächige Wand.
Budgetorientierte Beispiel-Setups
Beispiel 1: Schmaler, fensterloser Flur, 5 m², kleines Budget (ca. 150 - 250 Euro)
- 2 flache LED-Aufbauleuchten an der Decke, je ca. 400 - 600 Lumen
- 1 kleine Wandleuchte an der langen Wand, warmweiß, ca. 400 Lumen
- 1 Steckdosen-Bewegungslicht in der Nähe der Wohnungstür
- Helle Wandfarbe im oberen Bereich, ggf. nur eine Wand neu streichen
Beispiel 2: Innenliegendes Bad, 4,5 m², mittleres Budget (ca. 300 - 500 Euro)
- 1 flache LED-Deckenleuchte IP44, ca. 1000 Lumen, 3000 K
- Spiegelschrank mit integrierter LED-Beleuchtung, neutralweiß
- LED-Leiste unter dem Waschtischunterschrank als Nachtlicht (Steckdose)
- Heller Duschvorhang, ein großer Spiegel zusätzlich an der Seitenwand
Podsumowanie
Kurze Checkliste, bevor du loslegst:
- Nutzung klären: Was tust du im Flur/Bad konkret und wie oft?
- Lichtzonen definieren: Grundlicht, Arbeits-/Spiegelllicht, Akzent-/Nachtlicht
- Technik durchdenken: Lichtfarbe (K), Lumenbedarf, IP-Schutz im Bad
- Montageweg wählen: vorhandene Anschlüsse, Steckdosen, Aufputz, ggf. Elektriker
- Oberflächen anpassen: helle Wände, größere Spiegel, leichte Textilien
- Steuerung planen: Schalterposition, Bewegungsmelder, smarte Lösungen
- Budget grob kalkulieren und mit verfügbarem Material im Baumarkt abgleichen
FAQ
Wie hell sollte ein fensterloser Flur mindestens sein?
Für einen typischen Flur von 4 - 6 m² solltest du insgesamt etwa 800 - 1200 Lumen einplanen, verteilt auf mindestens zwei Lichtquellen. So vermeidest du harte Schatten und hast genug Helligkeit zum Schuhe suchen, Jacken aufhängen und Schlüssel finden.
Welche Lichtfarbe ist für ein innenliegendes Bad am besten?
Für das Grundlicht eignet sich warmweiß bis neutralweiß um 3000 K. Direkt am Spiegel solltest du neutralweißes Licht um 3500 - 4000 K einsetzen, damit Hauttöne und Make-up natürlich wirken. Eine reine Kaltweiß-Beleuchtung wirkt in kleinen Bädern schnell ungemütlich.
Brauche ich im Bad unbedingt IP44-Leuchten?
Im Spritzwasserbereich, also in der Nähe von Dusche oder Badewanne, sind IP44-Leuchten sinnvoll oder vorgeschrieben. Über dem Waschbecken, außerhalb der Spritzbereiche, reicht oft IP20, trotzdem sind geschlossene Leuchten aus Sicherheits- und Reinigungsgründen empfehlenswert. Im Zweifel Elektriker fragen.
Kann ich ohne Elektriker zusätzliche Leuchten installieren?
Du kannst Steckdosenleuchten, Akku-Leuchten und Leuchten mit integriertem Netzstecker selbst anschließen. Für alles, was direkt ans 230-Volt-Netz angeschlossen wird oder neue Leitungen benötigt, solltest du in Deutschland einen Elektriker beauftragen. Das ist sicherer und oft auch für die Versicherung relevant.