Warum eine gut geplante Wohnwand dein Wohnzimmer entspannter macht
In vielen deutschen Wohnungen ist das Wohnzimmer Dreh- und Angelpunkt: Fernsehen, Streaming, Spielekonsole, Bücher, Dokumente, manchmal sogar Home Office in der Ecke. Eine klug geplante Wohnwand bringt Ordnung in diese Mischung und verhindert sichtbares Kabelchaos und zugestellte Flächen.
Statt eine zufällige Kombination aus Lowboard, Regalen und Kommoden zu stellen, lohnt sich eine systematische Planung. Wichtig sind dabei: exakte Maße, Medienbedarf, Stauraumarten und Kabelwege. Gerade in Mietwohnungen mit begrenzter Stellfläche und wenigen Steckdosen entscheidet die Wohnwand oft über den gesamten Raumeindruck.
In diesem Guide gehen wir Schritt für Schritt durch, wie du für ein typisches deutsches Wohnzimmer zwischen 16 und 25 Quadratmetern eine funktionale, aufgeräumte und realistisch bezahlbare Wohnwand planst.
- Hast du die Wandbreite und -höhe bereits genau gemessen? (Ja/Nein)
- Weißt du, wo alle Steckdosen, Antennen- und Netzwerkdosen sitzen? (Ja/Nein)
- Ist klar, welche Geräte sicher in den nächsten 5 Jahren bleiben sollen? (Ja/Nein)
- Hast du entschieden, ob bohren in die Wand/mietrechtlich ok ist? (Ja/Nein)
- Gibt es ein festes Budget pro laufendem Meter (z. B. 400-800 EUR)? (Ja/Nein)
- Hast du festgelegt, ob du eher offene oder geschlossene Fronten möchtest? (Ja/Nein)
- Weißt du, ob du eher sitzen, liegen oder auch am Lowboard arbeiten willst? (Ja/Nein)

Schritt 1: Ausgangssituation analysieren - Wand, Dosen, Licht
Bevor du Möbel planst, musst du die bauliche Situation verstehen. Fehler in diesem Schritt führen später zu sichtbaren Kabeln, verdeckten Steckdosen oder schlecht erreichbaren Geräten.
Wand und Maße genau aufnehmen
Miss nicht nur die Breite der Wand, sondern auch relevante Details:
- Wandbreite in cm (z. B. 340 cm)
- Raumhöhe (z. B. 250 cm im Neubau, 280-320 cm im Altbau)
- Position von Heizkörpern, Fenstern, Türen, Lichtschaltern
- Abstände von Wandkante bis Steckdosen, Antennen- und Netzwerkdosen
Mach dir eine einfache Skizze auf Papier mit Maßen. Markiere außerdem Sockelleisten, eventuell vorhandene Rohrverkleidungen und Bodenunebenheiten, besonders in Altbauten.
Strom, Medien und Netzwerk prüfen
Notiere dir:
- Anzahl der Steckdosen an der geplanten Wohnwand
- Antennenanschluss (Kabel/Sat) und/oder Glasfaser/ONT
- LAN-Dosen, falls vorhanden
- Deckenleuchte oder Wandleuchten in der Nähe
Wenn du nur eine Doppelsteckdose an der Wand hast, brauchst du in der Planung Platz für eine Steckdosenleiste im Möbel plus Kabelführung, damit nichts über die Front hängt.
Licht und Spiegelungen bedenken
Prüfe, zu welcher Tageszeit die Sonne auf den Fernseher fallen würde. Sitzt das Fenster seitlich oder gegenüber der Wohnwand? Teste mit einem Karton oder vorhandenen TV, ob es starke Spiegelungen gibt. Ggf. planst du die TV-Position leicht versetzt oder berücksichtigst blickdichte Vorhänge/Rollos.
Schritt 2: Funktionen der Wohnwand festlegen
Bevor du Möbelstücke auswählst, kläre, was deine Wohnwand tatsächlich leisten soll. Eine Überfrachtung mit Funktionen führt schnell zu Unruhe. Definiere die Hauptfunktionen klar.
Typische Funktionen in deutschen Wohnzimmern
- Medienzentrum: TV, Soundbar, Receiver, Konsole, ggf. Router
- Stauraum: Ordner, Spiele, DVDs/Blu-rays, Kabel, Papiere
- Präsentation: Bücher, Bilder, Dekogegenstände, Pflanzen
- Bar/Gläser: Flaschen, Gläser, Karaffen (abschließbar, wenn Kinder im Haushalt sind)
- Arbeitsecke: Laptopplatz, Drucker (in Einzimmerwohnungen oder kompakten 2-Zimmer-Wohnungen)
Markiere pro Funktion, wie wichtig sie ist: Muss, Kann, Nice-to-have. So verhinderst du, dass die Wohnwand alles gleichzeitig sein will.
Beispiel-Konfiguration für 20-25 qm Wohnzimmer
- TV-Bereich mittig, Lowboard 180-220 cm breit
- Seitlich 1-2 geschlossene Hochschränke für Ordner, Gesellschaftsspiele, Akten
- Offenes Regalmodul oder Wandboard für Bücher und begrenzte Deko
- Versteckter Platz für Router, NAS oder Drucker hinter Tür mit Lüftung
Für kleinere Wohnzimmer (16-18 qm) reicht oft eine Kombination aus breitem Lowboard und einem hohen Element (Hochschrank oder schmales Regal), um den Raum nicht zu überladen.
Schritt 3: Stauraumarten planen - offen, geschlossen, halbtransparent
Die Mischung aus offenen und geschlossenen Flächen entscheidet über den optischen Eindruck. Zu viel offen wirkt schnell chaotisch, zu viel geschlossen steril und unpersönlich.
Offene Fächer sinnvoll nutzen
Offene Bereiche eignen sich für:
- Bücher (nach Themen oder Farben sortiert)
- Begrenzte Menge Deko (z. B. 1-2 Objekte pro Fach)
- Pflanzen in gleichartigen Übertöpfen
- Geräte mit häufigem Zugriff (z. B. Konsole, Streaming-Box), sofern Kabel sauber geführt sind
Plane lieber weniger, dafür größere offene Flächen, statt viele kleine Nischen. Das wirkt ruhiger und ist leichter zu entstauben.
Geschlossene Schränke für „optischen Lärm“
Alles, was bunt ist, unterschiedliche Formen hat oder oft genutzt, aber selten schön ist, gehört hinter Türen:
- Gesellschaftsspiele, DVDs, lose Kabel, Adapter
- Ordner, Akten, Unterlagen
- Werkzeug-Kleinkram, Batterien, Ladegeräte
- Dekosaisonboxen (Weihnachten, Ostern)
Praktisch sind dafür:
- Lowboard-Schränke mit Türen oder Schubladen auf Vollauszug
- Hochschränke mit durchgehenden Türen (180-220 cm hoch)
- Sideboards mit Innenfächern und variablen Einlegeböden
Halbtransparente Lösungen
Gerilltes Glas, Rauchglas oder Metallgitter können ein Kompromiss sein, wenn du Struktur sehen, aber Buntes kaschieren willst. In Mietwohnungen eignen sich solche Fronten besonders für den Router- und Medienbereich, da Funk- und Infrarotsignale oft besser durchkommen als durch geschlossene Vollholzfronten.
Schritt 4: TV- und Medienbereich ergonomisch planen
Der TV-Bereich ist meist die optische Mitte der Wohnwand. Hier passieren viele Fehler: falsche Höhe, zu kleine oder zu große Geräte, unpraktische Kabelführung.
Richtige TV-Höhe bestimmen
Orientiere dich an folgender Faustregel für Sitzhöhe von Sofa/Sessel (typisch 42-46 cm):
- TV-Mitte sollte ungefähr auf Augenhöhe im Sitzen liegen (ca. 95-110 cm ab Boden)
- Lowboard-Höhe zwischen 40 und 55 cm, abhängig von TV-Größe und ob hängend oder stehend
Hängt der TV zu hoch, verspannt sich der Nacken, hängt er zu tief, sieht es provisorisch aus. Miss im Sitzen die Augenhöhe und platziere die TV-Mitte 5-10 cm darunter oder darüber.
Abstand zum Fernseher
Für typische Größen:
- 55 Zoll: ca. 2,0-2,5 m Sitzabstand
- 65 Zoll: ca. 2,3-2,8 m Sitzabstand
In vielen 20-22-qm-Wohnzimmern mit 3,5-4 m Raumlänge passt ein 55-65-Zoll-TV, wenn Sofa und Wohnwand nicht direkt an gegenüberliegenden Wänden stehen, sondern leicht eingerückt.
Kabel und Geräte unsichtbar organisieren
Plane von Anfang an Kabelführungen ein:
- Bohrungen im Lowboard-Rückwandbereich (60-80 mm) mit Bürsten- oder Gummiring
- Kabelkanäle zwischen Steckdose und Lowboard-Rückseite, ggf. flach über Sockelleiste geführt
- Innen Steckdosenleisten mit Überspannungsschutz fest verschraubt
- Lüftungsschlitze im Möbel für Receiver, Konsole und Verstärker
In Mietwohnungen ohne Wandfräsung kannst du flache selbstklebende Kabelkanäle in Wandfarbe nutzen, um TV-Kabel zum hängenden Fernseher zu führen.
Schritt 5: Wandmontage oder bodenstehend - was passt zu dir?
Wandhängende Wohnwände sehen leicht aus und erleichtern das Putzen, brauchen aber tragfähige Wände und sauberes Bohren. Bodenstehende Lösungen sind flexibler und oft vermieterfreundlicher.
Wandhängende Elemente - worauf du achten musst
Geeignet für:
- Massive Wände (Beton, Vollstein), eingeschränkt Kalksandstein
- Mieter mit Erlaubnis für Bohrlöcher und Schwerlastdübel
Achte auf:
- Belastungsangaben des Herstellers (kg pro Element)
- Gemeinsame Tragschienen statt einzelner kleiner Winkel
- Exakte Wasserwaage-Montage, sonst sieht die Front unruhig aus
In Altbauten mit bröseligem Putz oder Trockenbauwänden solltest du genau prüfen, ob Verstärkungen vorhanden sind. Ggf. lieber schwere Teile bodenstehend planen.
Bodenstehende Lösungen - stabil und flexibel
Bodenstehende Lowboards und Hochschränke sind ideal, wenn du Mietwände nicht zu stark belasten willst. Tip-on-Fronten und durchlaufende Sockelleisten lassen das trotzdem modern wirken.
Wichtig:
- Immer gegen Kippen sichern, vor allem hohe Schränke (Winkel mit 2-3 Dübeln reichen oft)
- Rutschfeste Filzgleiter oder harte Gleiter, je nach Bodenbelag
- Rückwand mit wenigen, gezielt gesetzten Kabellöchern statt Flickenteppich

Schritt 6: Materialien, Farben und Pflege im Alltag
Deutsche Wohnzimmer müssen alltagstauglich sein: Kinder, Haustiere, Vermieterküche offen zum Wohnbereich. Oberflächenwahl ist entscheidend, damit die Wohnwand nicht nach zwei Jahren abgenutzt wirkt.
Robuste Materialien für Mietwohnungen
- Melaminbeschichtete Platten: robust, kratzfest, preislich für 2,5-4 m Wohnwand oft zwischen 800 und 2000 EUR
- Mattlack-Fronten: edler Look, aber empfindlicher gegen Kratzer, Fingerabdrücke gut sichtbar
- Strapazierfähige Folienfronten: preiswerter, aber auf Kanten und Hitzequellen achten
- Echtholzfurnier: wohnlich, preislich höher, aber nicht überall nötig - Fokus auf wenige sichtbare Fronten
Farbkonzept: Ruhe reinbringen
Für typische Wohnzimmer in Mehrfamilienhäusern mit 1-2 Fenstern bewähren sich:
- Basis in Weiß, Offwhite oder sehr hellem Grau
- Akzentfronten in Holzoptik (Eiche hell, Nussbaum für mehr Kontrast)
- Offene Regale in Wandfarbe, um sie optisch zurücktreten zu lassen
Vermeide in kleinen Räumen eine Kombination aus vielen starken Farben und unterschiedlichen Holzarten. Besser: Ein Holzton, eine neutrale Hauptfarbe, ein Akzent in Textilien oder Deko.
Schritt 7: Typische Fehler vermeiden - aus der Praxis
Viele Probleme im Alltag entstehen durch Kleinigkeiten, die bei der Planung übersehen wurden. Hier die häufigsten Fehler, die du vermeiden kannst.
Zu wenig Luft für Technik
Verstärker, Konsolen und Router brauchen Luft. Häufige Fehler:
- Gerät in komplett geschlossenen Schrank ohne Lüftungsöffnungen
- Kabelsalat, der Luftzirkulation verhindert
- Mehrfachsteckdose direkt hinter Warmgeräte gequetscht
Praxislösung: In Türen nahe Technikbereich Lüftungsschlitze oder Lochreihen einplanen, Rückwand mit größeren Ausschnitten versehen, Geräte nicht dicht an Rückwand schieben.
Falsch dimensionierte Fächer
Oft sind Fächer zu niedrig für Ordner oder zu flach für Spielekartons. Bevor du planst:
- Miss deine DIN-A4-Ordner (Höhe ca. 32 cm, Tiefe ca. 29 cm)
- Miss Spielekartons (oft 30 x 30 x 7-10 cm)
- Plane Innenmaße plus 2-3 cm Luft
So vermeidest du, dass Ordner später oben anstoßen oder nur quer gestellt werden können.
Wohnwand zu breit oder zu dominant
In 18-qm-Wohnzimmern wirkt eine 4-m-Wohnwand schnell wie eine Einbauküche. Besser:
- Breite zwischen 180 und 280 cm
- Asymmetrischer Aufbau mit einseitigem Hochteil, um leichter zu wirken
- Obere Elemente nicht bis zur Decke, sondern z. B. bei 200-220 cm enden lassen
Halte jeweils seitlich 5-10 cm Luft zur Wand, das wirkt hochwertiger, als Möbel auf „Presspassung“.
Schritt 8: Budget realistisch planen
Für eine funktionale Wohnwand musst du kein Vermögen ausgeben, aber gewisse Budgets sind realistisch, wenn sie nicht nach wenigen Jahren getauscht werden soll.
Grobe Orientierungswerte (Stand deutsche Möbellandschaft)
- Einstieg (SB-Möbel, einfache Systeme): 400-800 EUR für ca. 2-2,5 m Breite
- Mittleres Segment: 1000-2500 EUR für 2,5-3,5 m mit individuelleren Fronten
- Höheres Segment: ab 2500 EUR für maßnahe Systeme, bessere Beschläge, Echtholzfurnier
Plane zusätzlich:
- 50-150 EUR für Kabelkanäle, Steckdosenleisten, Kleinteile
- Wenn nötig: 100-300 EUR für Montage (je nach Komplexität und Region)
Wenn das Budget knapp ist, konzentriere Geld auf die sichtbaren Fronten und das Lowboard. Seitliche Schränke können einfacher und günstiger sein, solange sie farblich ins Konzept passen.
Podsumowanie
Kurze Checkliste für deine Wohnwand-Planung:
- Wand genau vermessen, Dosen und Lichtquellen eingezeichnet
- Funktionen klar definiert: Medien, Stauraum, Präsentation, ggf. Arbeit
- Mischung aus offenen und geschlossenen Flächen bewusst gewählt
- TV-Höhe, Sitzabstand und Kabelführung konkret geplant
- Entschieden, welche Teile wandhängend, welche bodenstehend sind
- Materialien und Farben auf Alltagstauglichkeit und Raumgröße abgestimmt
- Fächermaße für Ordner, Technik und Spiele real gemessen
- Budgetrahmen festgelegt, sichtbare Teile priorisiert
FAQ
Wie breit sollte eine Wohnwand in einem kleinen Wohnzimmer maximal sein?
In einem 16-18-qm-Wohnzimmer sind 180-240 cm Breite meist ausreichend. So bleibt genug Platz für Sofa, Laufwege und eventuell einen kleinen Esstisch. Lieber kompakter planen und vertikal arbeiten, statt die gesamte Wand vollzustellen.
Besser fertige Wohnwand kaufen oder mit Einzelmodulen planen?
Fertige Wohnwände sind günstiger und schneller, passen aber oft schlechter zu Steckdosen und Raummaßen. Modulsysteme erlauben dir, exakter um Dosen, Heizkörper und Fenster herum zu planen. In Mietwohnungen mit kniffligen Grundrissen lohnt sich meist ein einfaches, aber modular aufgebautes System.
Wie kann ich Router und Technik verstecken, ohne Empfangsprobleme zu bekommen?
Verstaue Router und kleine Geräte in einem Schrank mit gelochter Rückwand oder teilverglaster Front (Rauchglas, gerilltes Glas). Lasse vorne mindestens 2-3 cm Luft und plane Lüftungsöffnungen ein. Funk- und WLAN-Signale kommen durch solche Materialien deutlich besser als durch massive Vollholzfronten.
Was mache ich, wenn ich in der Mietwohnung kaum bohren darf?
Setze auf bodenstehende Lowboards und Hochschränke und sichere sie nur mit wenigen kleinen Winkeln gegen Kippen. TV kann auf dem Lowboard stehen oder mit einem TV-Standfuß befestigt werden. Kabelkanäle führst du flach über die Sockelleiste, ohne große Eingriffe in die Wand.