Begehbare Kleiderschränke auf kleinem Raum: Praxislösungen

Warum ein begehbarer Kleiderschrank auch in kleinen Wohnungen realistisch ist

Begehbarer Kleiderschrank klingt nach Luxus, nach 20 m² Ankleidezimmer und Villa. In deutschen Mietwohnungen reden wir aber oft von 60-80 m² Gesamtfläche und vielleicht 3-6 m², die man halbwegs opfern kann. Genau damit lässt sich arbeiten - wenn du konsequent planst.

Der Schlüssel ist nicht ein fertiges System aus dem Möbelhaus, sondern die Kombination aus:

  • klarer Flächenplanung (Zonen, Laufwege, Türöffnungen)
  • richtiger Korpus- und Stangentiefe
  • Beleuchtung und Belüftung
  • reduziertem, ehrlichem Kleiderbestand

In Miete musst du zusätzlich Rücksicht nehmen auf: Bohrlöcher, Tragfähigkeit der Wände, Fluchtwege und Wiederverkaufswert der Möbel. Das lässt sich alles lösen, wenn du systematisch vorgehst.

Checkliste: Lohnt sich ein begehbarer Kleiderschrank bei dir?

  • Hast du mindestens 1,30 m freie Tiefe und 1,80 m Breite in einem Raum oder einer Nische? (Ja/Nein)
  • Kann eine Tür versetzt, entfernt oder durch Schiebetür ersetzt werden? (Ja/Nein)
  • Bist du bereit, deinen Kleidungsbestand um mindestens 20-30 % zu reduzieren? (Ja/Nein)
  • Gibt es eine Steckdose oder Möglichkeit, Strom für Beleuchtung zu legen? (Ja/Nein)
  • Ist mindestens eine Wand tragfähig (Massiv- oder Betonwand) für Kleiderstangen/Regale? (Ja/Nein)
  • Stört es dich nicht, wenn der Raum teiloffen bleibt (z. B. nur Vorhang statt Tür)? (Ja/Nein)
  • Bist du bereit, 400-1500 Euro für ein durchdachtes System zu investieren? (Ja/Nein)
Kleines Schlafzimmer in deutscher Mietwohnung mit abgetrenntem begehbarem Kleiderschrank und offenen Regalen
Begehbarer Kleiderschrank im Schlafzimmer: auf wenigen Quadratmetern klar strukturiert.

Typische Raumkonstellationen in deutschen Mietwohnungen

In der Praxis sieht man bestimmte Grundrisse immer wieder. Für begehbare Kleiderschränke eignen sich vor allem diese Varianten:

1. Abgetrennter Bereich im Schlafzimmer (3-5 m²)

Ideal in länglichen Schlafzimmern ab ca. 14 m². Du „schneidest“ quasi ein Stück am Fußende oder entlang einer Seite ab.

Praktischer Aufbau:

  • Raumteiler: PAX-Korpus, Trockenbauwand oder deckenhohes Regal
  • Tiefe des Kleiderbereichs: 1,35-1,50 m (Stange + 60 cm Gang)
  • Breite: ab ca. 1,80 m sinnvoll
  • Zugang: 80-100 cm Öffnung, Schiebetür oder Vorhang

Besonderheiten:

  • laute Türen vermeiden (Schiebetür, Softclose), wenn Partner früher/länger schläft
  • auf gute Belüftung achten, sonst muffige Wäsche

2. Stauraum in der Dachschräge (Altbau DG, Reihenhaus)

Hier liegen die Stärken, wenn die Kniestockhöhe ab ca. 1,10 m beginnt.

  • unter der Schräge: Kommoden, Schuhregale, Körbe
  • an der hohen Wand: Kleiderstangen und hohe Regale
  • Laufweg parallel zur Schräge: mindestens 60 cm frei lassen

Bei sehr niedriger Schräge (Kniestock unter 1 m) lohnt sich ein Mix aus: flachen Schubladen, Boxen und saisonaler Lagerung (Sommer/Winter).

3. Umgebaute Abstellkammer oder Speisekammer

Viele Mietwohnungen haben 1-3 m² Abstellkammern ohne echtes Konzept. Wenn die Küche genügend Stauraum bietet, kann man umwidmen:

  • Mindestmaß: 1,20 x 1,50 m mit Tür nach außen öffnend
  • Beidseitig nutzbar: bei 1,40 m Breite Stangen/Regale auf beiden Seiten möglich
  • Tür ggf. durch Schiebetür oder Falttür ersetzen, um Platz zu gewinnen

Wichtig: Brandschutz und Fluchtweg - keine vollgestellten Kammern ohne klare Trittfläche und Tür, die sich problemlos öffnen lässt.

Maße, die du wirklich kennen musst

Fast alle Probleme mit begehbaren Kleiderschränken entstehen, weil Maße geschätzt statt gemessen werden. Hier die praxisrelevanten Standardwerte:

Minimale Gang- und Raummaße

  • freier Gang: 60 cm nutzbar, 70 cm komfortabel
  • Abstand Schrankfront - gegenüberliegende Wand: min. 90 cm bei Schubladen, damit man davor stehen kann
  • Türöffnung: 80 cm reicht, 90-100 cm ist angenehm

Kleiderstangen und Regaltiefen

  • Kleiderstangentiefe für Bügel: 55-60 cm
  • Regaltiefe für gefaltete Kleidung: 35-45 cm (tiefer führt oft zu „Kleidung hinter Kleidung“)
  • Abstand zwischen zwei Kleiderstangen übereinander: 95-100 cm (für Blusen, Hemden, T-Shirts auf Bügel)
  • Höhe einer Stange für lange Kleidungsstücke: 150-170 cm (Kleider, Mäntel)

Sinnvolle Aufteilung nach Kleidungstyp

  • Hängende Oberteile / Hemden: 1 m Stange reicht für ca. 20-25 Bügel
  • Hängende Hosen (über Bügel gelegt): ca. 15-20 Hosen pro Meter
  • Gefaltete T-Shirts: 25-30 cm Fachbreite pro Stapel
  • Bettwäsche/Handtücher: möglichst in 40-50 cm hohen Fächern mit guter Belüftung

Systeme und Materialien: Was sich wirklich bewährt

Du musst kein teures Maßsystem kaufen. In deutschen Mietwohnungen funktioniert meist eine Kombi aus günstigen Standardsystemen, sauber montiert und angepasst.

1. Offenes Regalsystem mit Stangen (flexibel, mieterfreundlich)

Typisch sind Schienensysteme, die an die Wand geschraubt werden, plus Konsolen und Böden.

Vorteile:

  • flexibel verstellbar, bei Umzug leicht anpassbar
  • vergleichsweise günstig (ab ca. 150-400 Euro pro 3-4 m Wand)
  • gut mit Körben und Boxen kombinierbar

Nachteile:

  • offene Optik, Staub ist ein Thema
  • hängend montiert, Wände müssen tragfähig sein

Praxis-Tipp: In Mietwohnungen lieber wenige, solide Rahmendübel sauber setzen, als zu viele kleine wackelige Dübel. Ggf. Schlagbohrmaschine mit Schlag ausschalten bei Altbauwänden, um nicht das ganze Mauerwerk zu zerstören.

2. Schranksystem auf dem Boden stehend (z. B. PAX, METOD & Co.)

Gut geeignet, wenn du keine massiven Wände hast (Gipskarton, Leichtbau). Die Hauptlast liegt auf dem Boden.

  • Korpusse aneinandergereiht, teilweise ohne Türen
  • vorne ein durchgehender Vorhang oder Schiebetüren
  • Höhe möglichst bis knapp unter die Decke nutzen

Vorteile:

  • tragwerksunabhängig, kaum Last an der Wand
  • beim Auszug relativ rückstandslos entfernbar
  • innen klar organisierbar mit Schubladen und Körben

Nachteile:

  • größerer Platzverbrauch durch Korpustiefe (56-60 cm)
  • bei sehr kleinen Räumen kann der Gang zu eng werden

3. Low-Budget: Schwerlastregale und Vorhang

Für Kelleranmutung im Schlafzimmer eher nicht, aber für Abstellkammern oder schlichte Ankleideräume absolut praxistauglich.

  • Metallregale mit Böden (40-50 cm tief)
  • Kleiderstangen dazwischen oder davor montiert
  • schlichter Stoffvorhang oder Schiebegardine als Front

Vorteil: sehr günstig (ab 100-200 Euro kompletter Raum), robust, einfach umzubauen.

Beleuchtung und Belüftung: Die oft unterschätzten Faktoren

Schmaler begehbarer Kleiderschrank mit LED-Beleuchtung und Kleiderstangen beidseitig
Licht und klare Zonen machen auch einen schmalen begehbaren Kleiderschrank gut nutzbar.

Gute Beleuchtung auf kleinem Raum

Ein begehbarer Kleiderschrank ohne gutes Licht macht keinen Spaß. Gerade in innenliegenden Kammern ohne Fenster musst du gezielt planen:

  • Grundlicht: flache LED-Deckenleuchte, neutralweiß (3000-4000 K), ca. 1000-1500 Lumen für 3-4 m²
  • Akzentlicht: LED-Streifen unter Regalböden oder in Kleiderstangen integriert
  • Schaltlogik: Bewegungssensor oder Türkontaktschalter, damit kein Licht stundenlang brennt

Achte auf ausreichend Tiefe der Leuchten, damit Türen und Fronten beim Öffnen nicht dagegen schlagen. In Mietwohnungen sind aufbauende Lampen besser als Einbauleuchten, weil du die Decke nicht öffnen musst.

Belüftung und Feuchteschutz

Gerade in Abstellkammern ohne Fenster ist Belüftung entscheidend, sonst riecht die Kleidung muffig.

  • Türe nicht dauerhaft vollständig abdichten - kleiner Luftspalt unter der Tür lassen
  • bei komplett geschlossenen Räumen: Tür täglich 10-15 Minuten offen lassen
  • bei Feuchtigkeitsproblemen: kleiner elektrischer Luftentfeuchter (Kondensationsgerät) oder zumindest Granulat-Entfeuchterbox
  • Kleidung komplett trocken einräumen, Wäsche vorher gut auslüften

In Mietwohnungen mit zentraler Abluft aufpassen: keine Lüftungsgitter zustellen oder verschließen.

Schritt-für-Schritt-Plan: Von leerem Raum zum begehbaren Kleiderschrank

Schritt 1: Bestandsaufnahme und Ausmisten

Bevor du auch nur ein Brett kaufst, musst du den Inhalt kennen.

  • alle Kleidungsstücke aus dem alten Schrank holen
  • nach Kategorien sortieren: Oberteile, Hosen, Kleider, Jacken, Schuhe, Wäsche
  • realistische Zielmenge definieren: Was trägst du wirklich?
  • konsequent aussortieren: zu klein, defekt, unmodern und seit 2 Jahren nicht getragen

Nur mit dieser ehrlichen Grundlage kannst du sinnvoll planen. Ein begehbarer Schrank löst kein Mengenproblem, er macht es nur sichtbarer.

Schritt 2: Exakt messen und skizzieren

Miss den vorgesehenen Raum in Zentimetern:

  • Länge, Breite, Höhe
  • Position von Türen, Heizkörpern, Steckdosen
  • Fenster, Dachschrägen, Nischen

Mach eine einfache Skizze auf Papier und trage die Maße ein. Markiere Laufwege (mind. 60 cm) und überlege, von welcher Seite du den Raum betrittst.

Schritt 3: Zonen festlegen

Teile deinen begehbaren Schrank in funktionale Zonen:

  • Zone Hängen kurz: Hemden, Blusen, T-Shirts
  • Zone Hängen lang: Kleider, Mäntel
  • Zone Falten: T-Shirts, Pullover, Jeans
  • Zone Kleinteile: Unterwäsche, Socken, Accessoires
  • Zone Schuhe
  • Zone Bettwäsche/Handtücher (falls mit im Schrank)

Ordne diese Zonen nach Gebrauchshäufigkeit: Alltagskleidung in bequemer Griffhöhe (ca. 80-170 cm), selten Genutztes oben oder unten.

Schritt 4: Passendes System auswählen

Auf Basis deiner Skizze und Zonen entscheidest du:

  • offenes Wandschienensystem, wenn Wände tragfähig und Budget begrenzt
  • Korpus-System, wenn du eine saubere Optik willst und weniger in die Wände eingreifen möchtest
  • Mischlösung: z. B. Schrankmodule plus Leichtbauregal an unkritischen Stellen

Praktikertipp: Nimm dir einen Zollstock mit ins Möbelhaus und miss reale Korpusse und Regale. Produktmaßzeichnungen sind hilfreich, aber nichts ersetzt das Raumgefühl vor Ort.

Schritt 5: Montage mit Blick auf Mietsituation

Bei Mietwohnungen solltest du zwei Dinge beachten:

  • Bohrlöcher: lieber wenige, tragende Befestigungen als viele schwache
  • Rückbaubarkeit: alles so planen, dass beim Auszug Spachtelmasse und weißer Anstrich reichen

Montagereihenfolge, die sich bewährt hat:

  • Wände markieren, Höhenlinien mit Wasserwaage anzeichnen
  • Trageschienen bzw. Korpusse zuerst stellen und ausrichten
  • dann Regalböden, Stangen und Schubladen einsetzen
  • zum Schluss Beleuchtung und Vorhänge/Schiebetüren montieren

Typische Fehler und wie du sie vermeidest

1. Zu wenig Gangbreite

Ein 40 cm Spalt ist kein begehbarer Schrank. Wenn du dich nicht drehen und bücken kannst, wirst du den Bereich nicht nutzen.

Lösung: Im Zweifel lieber eine Seite nur 40 cm tiefe Regale statt 60 cm tiefe Schränke, um Gangbreite zu retten.

2. Falsche Höhenverteilung

Viele planen zu viel Hängefläche und zu wenig Fächer. Am Ende hängen T-Shirts, die gefaltet besser aufgehoben wären.

Lösung: Vorher grob zählen, wie viele Stücke du wirklich hängst. Faustregel: Wenn du deutlich mehr gefaltete Teile als Bügelteile hast, plane maximal 1/3 der Breite als Hängefläche.

3. Beleuchtung vergessen

Der Klassiker: Schrank steht, aber nur eine schwache Deckenlampe im Rücken.

Lösung: Günstige LED-Streifen mit Sensor in Regalfachhöhe, bevorzugt warm- bis neutralweiß. Kabel sauber entlang der Korpusrückseite führen und mit selbstklebenden Clips fixieren.

4. Zu dekorativ gedacht, zu wenig praktisch

Instagram-taugliche Ankleidezimmer leben von Luft und Leere. In der Realität brauchst du Stauraum.

Lösung: Oben und unten ruhig dicht planen, in Augenhöhe etwas Ruhe lassen. Geschlossene Boxen für Optik, aber klare Beschriftung, damit du nicht alles durchwühlen musst.

Nachhaltigkeit und Budget im Blick behalten

Auch ein kleiner begehbarer Kleiderschrank kann ökologisch und finanziell sinnvoll umgesetzt werden.

  • gebrauchte Regalsysteme und Korpusse auf Kleinanzeigen kaufen
  • Holzkleiderbügel nur da, wo sie nötig sind, sonst stabile Kunststoffbügel wiederverwenden
  • Textilboxen aus Baumwolle oder Filz statt reinem Plastik
  • Licht nur bei Bedarf: Sensoren und LED mit niedrigem Verbrauch

Plane lieber ein flexibles System, das du in der nächsten Wohnung weiterverwenden kannst, statt alles millimetergenau an den aktuellen Grundriss zu knüpfen.

Podsumowanie

  • Mindestmaße checken: 1,30-1,50 m Tiefe und 60-70 cm Gang sind Pflicht
  • erst radikal ausmisten, dann planen - nicht umgekehrt
  • Zonen nach Nutzungshäufigkeit planen, Alltagskleidung in Griffhöhe
  • tragfähige Wände prüfen, sonst mehr auf Korpussysteme setzen
  • Beleuchtung und Belüftung von Anfang an mitdenken
  • Rückbaubarkeit in Mietwohnungen einplanen (Bohrlöcher, flexible Systeme)

FAQ

Wie klein darf ein begehbarer Kleiderschrank maximal sein, damit er noch sinnvoll ist?

Unter etwa 1,20 x 1,50 m (1,8 m²) wird es schwierig. Realistisch sind 2-4 m², wenn du 60 cm Gangbreite einhältst und nicht beide Seiten mit 60 cm tiefen Schränken zustellst.

Brauche ich unbedingt eine Tür vor dem begehbaren Kleiderschrank?

Nein. In kleinen Schlafzimmern funktioniert ein dichter Vorhang oft besser: kein Türschwenk, günstiger, leicht austauschbar. Wichtig ist eher, dass Licht und Unordnung nicht ständig sichtbar sind.

Wie verhindere ich Staub in einem offenen begehbaren Kleiderschrank?

Staub ganz verhindern kannst du nicht, aber reduzieren: Textil- oder Glasfronten für sensible Teile, Bettwäsche und selten genutzte Kleidung in Boxen verstauen, regelmäßig lüften und staubsaugen.

Kann ich Regale und Stangen in eine Gipskartonwand dübeln?

Ja, aber nur mit geeigneten Hohlraumdübeln und begrenzter Last. Schwere Lasten (volle Kleiderstangen) lieber in Massivwände setzen oder an einem stehenden Korpussystem befestigen. Im Zweifel Fachmann oder Vermieter fragen.