Kleines Bad gut geplant: Stauraum, Dusche

Typische Probleme im kleinen Bad realistisch einschätzen

Viele deutsche Mietbäder haben zwischen 3 und 5 Quadratmeter, oft ohne Fenster, mit schlechter Lüftung und verwinkelten Nischen. Bevor du irgendetwas kaufst oder bohrst, brauchst du einen klaren Blick auf die Probleme deines Raums.

Typische Ausgangslage in Mietwohnungen:

  • Grundfläche 1,5 x 2,5 m oder 2 x 2 m
  • Tür schlägt ins Bad hinein und blockiert Wandfläche
  • kleines Waschbecken, Standard-Badewanne 170 x 70 cm oder enge Dusche
  • Heizkörper oder Handtuchheizkörper nimmt Wandfläche weg
  • ein Deckenanschluss, schlechte Spiegelbeleuchtung

Mach dir zuerst einen ehrlichen Raum-Check:

  • Breite und Tiefe des Bads (auf den Zentimeter genau messen)
  • Höhe bis Unterkante Decke (für Hängeschränke und Regale)
  • Position von Wasseranschlüssen, Abflüssen und Heizkörper
  • Bereiche, die du wegen Mietrecht nicht verändern darfst (Fliesen, Wanne, Leitungen)

Mit diesen Daten kannst du gezielt planen und Fehlkäufe vermeiden.

Checkliste: Passt diese Bad-Planung zu meiner Wohnung?

  • Habe ich den Raum komplett vermessen (inklusive Tür- und Fensterposition)? - Ja/Nein
  • Weiß ich, welche Eingriffe ich laut Mietvertrag nicht machen darf (Fliesen, Bohrlöcher)? - Ja/Nein
  • Ist mir wichtiger: Stauraum oder maximale Bewegungsfreiheit? - Ja/Nein (Tendenz klären)
  • Bin ich bereit, die Badewanne gegen eine Dusche zu tauschen (falls erlaubt)? - Ja/Nein
  • Kann ich mit einem Budget von mindestens 300-500 Euro für eine spürbare Verbesserung starten? - Ja/Nein
  • Stört mich fehlendes Tageslicht besonders (Schminken, Rasieren)? - Ja/Nein
  • Ist Schimmel oder schlechte Lüftung aktuell ein Thema? - Ja/Nein
Kleines modernes Bad mit weißem Waschtisch, Spiegelschrank und schmalem Hochschrank in heller Optik
Gut geplanter Waschtischbereich mit Spiegelschrank und vertikalem Stauraum in einem kleinen Bad.

Stauraum planen: Vertikal denken statt Boden zustellen

Im kleinen Bad ist der Boden heilig. Alles, was du hoch an die Wand bekommst, verbessert die Nutzbarkeit und vereinfacht das Putzen.

1. Waschtischlösungen für kleine Grundflächen

Der größte Hebel ist oft der Bereich um das Waschbecken. Drei Praxisszenarien:

  • Standard-Mietwaschbecken (hängend, ohne Unterschrank)
    Nutze einen maßlich passenden Waschbeckenunterschrank mit Ausschnitt für Siphon. Achte auf: Tiefe maximal 35-40 cm, damit der Durchgang nicht zu eng wird.
  • Mini-Waschtisch mit Unterbau
    Wenn du tauschen darfst: schmalen Waschtisch (Breite 50-60 cm, Tiefe 35-40 cm) mit zwei Auszügen einbauen lassen. Oben täglich genutzte Dinge, unten Vorräte.
  • Eckwaschtisch
    Für extrem enge Grundrisse kann ein Eckwaschbecken (40-45 cm) in Kombination mit einer schmalen Unterbaulösung den Bewegungsraum massiv verbessern.

Praktische Innenaufteilung für den Waschtischunterschrank:

  • Oben: Organizer für Zahnpasta, Rasierer, Kosmetik (Einsätze aus Kunststoff oder Bambus)
  • Mittig: Fächer für Pflegeprodukte in Gebrauch
  • Unten: Vorräte (Duschgel, Toilettenpapier, Putzmittel in Boxen)

2. Oberschränke und Regale richtig dimensionieren

Über dem Waschbecken wird oft Platz verschenkt oder mit einem zu kleinen Spiegel genutzt.

Gute Lösungen:

  • Spiegelschrank mit integrierter Beleuchtung - Breite 60-80 cm, Tiefe 14-18 cm, dreitürig, mit Steckdose für Rasierer oder Föhn.
  • Highboard neben dem Spiegel - schmaler Hochschrank (Breite 30-35 cm, Tiefe 25-30 cm), teiloffen (Regale) und teils mit Türen.
  • Offene Wandregale - 2-3 schmale Böden (Tiefe 12-15 cm) über der Toilette für Handtücher, Deko, Körbe.

Wichtig: In engen Bädern eher helle, glatte Fronten wählen und begrenzt offene Regale nutzen. Zu viele offene Flächen wirken schnell chaotisch.

3. Stauraum über und hinter der Tür

Der Bereich über der Tür ist meist ungenutzter Stauraum.

  • Regalbrett auf Konsolen in Türbreite montieren (Idealhöhe: Oberkante bei etwa 210-220 cm)
  • Boxen aus Kunststoff oder Textil für selten benötigte Dinge (Reiseapotheke, Gästehandtücher, Vorräte)
  • Türhakenleiste innen für Bademäntel oder zusätzliche Handtücher

Dusche, Wanne und Bewegungsfläche: Realistische Umbauten im Bestand

In vielen deutschen Mietwohnungen ist die Badewanne Standard, oft unpraktisch hoch und mit Duschvorhang. Der Wunsch nach einer bodenebenen Dusche ist groß, aber nicht immer mietrechtlich oder technisch machbar.

Kompakte Dusche in kleinem Bad mit Glasabtrennung und hellen Fliesen
Platzsparende Dusche mit Glasabtrennung sorgt für mehr Bewegungsfreiheit im kleinen Badezimmer.

4. Badewanne optimieren, wenn Umbau nicht erlaubt ist

Wenn du die Wanne nicht tauschen darfst, kannst du Folgendes tun:

  • Stabiler Badewannenaufsatz aus Glas statt Duschvorhang - reduziert Spritzwasser und wirkt hochwertiger.
  • Duschstange mit Höhenverstellung und zusätzlichem Handbrausehalter montieren.
  • Wannenablagen einbauen: kurze, stabile Ablagen an den Längsseiten (z. B. Aluminiumprofil mit Glasboden) für Shampoo, Rasierer, Seife.
  • Rutschfeste Einlage und ggf. klappbaren Wannensitz, wenn das Einsteigen beschwerlich ist.

5. Wannentausch gegen Dusche: Wann lohnt sich das?

In Eigentumswohnungen oder bei kooperativen Vermietern kann ein Wannentausch sinnvoll sein. Typische Maße für kleine Bäder:

  • Duschfläche 80 x 80 cm als Minimum, besser 90 x 90 cm
  • Alternative: 120 x 80 cm Rechteckdusche entlang der Wand, oft anstelle der Wanne

Praktische Tipps für solche Umbauten:

  • Wenn möglich, bodenebene Duschwanne oder gefliester Duschbereich mit Rinne einplanen.
  • Klappbare Glasabtrennungen wählen, die sich nach innen oder an die Wand klappen lassen, um Bewegungsfläche zu gewinnen.
  • Duschnische mit integrierten Ablagen oder Unterputz-Duscharmatur statt Wandaufbau, damit keine Flaschen am Boden stehen.

Wichtig: In Mehrfamilienhäusern unbedingt Fachbetrieb einbeziehen (Schallschutz, Abdichtung, Gefälle). Für Mietwohnungen brauchst du schriftliche Erlaubnis des Vermieters.

6. Bewegungsflächen pragmatisch prüfen

Viele Pläne scheitern daran, dass Türen, WC und Waschtisch sich im Alltag in die Quere kommen. Ein paar Richtwerte:

  • Mindestens 60 cm freie Tiefe vor dem Waschbecken
  • Rund um das WC jeweils 20 cm seitlich frei, 60 cm nach vorn
  • Duscheinstieg mindestens 50 cm breit, besser 60 cm

Teste es notfalls mit Kreppband am Boden in Originalmaßen, bevor du Möbel bestellst.

Materialien und Oberflächen: Pflegeleicht statt anfällig

Im kleinen Bad sieht man jeden Wassertropfen und jede Kalkspur. Die richtige Materialwahl spart dir Putzzeit und Nerven.

7. Fronten, Platten und Bodenbeläge

Für Möbel und Ablagen im Bad eignen sich:

  • Melamin- oder HPL-beschichtete Platten - robust, feuchtigkeitsresistent, pflegeleicht.
  • Lackierte MDF-Fronten in seidenmatt - glatte Oberflächen, Wasser perlt gut ab.
  • Komplett kunststoffummantelte Möbel (z. B. aus dem Badmöbelsegment) für sehr feuchte Bäder ohne Fenster.

Holzoptik ist möglich, wenn die Oberflächen versiegelt sind. Massivholz ist nur sinnvoll, wenn gute Lüftung gewährleistet ist. Für den Boden gilt: Wenn du Fliesen nicht ersetzen darfst, kannst du mit passgenauen Badematten und Läufern arbeiten, aber verzichte auf Teppichreste, die Feuchtigkeit halten.

8. Wände: Fliesen, Farbe und Teilsanierung

Bei Mietwohnungen ist vollständiges Neuverfliesen meist keine Option, aber du hast Alternativen:

  • Fliesenlack oder Fliesenaufkleber für optische Modernisierung, wenn der Vermieter zustimmt.
  • Feuchtraumfarbe auf nicht gefliesten Bereichen, in hellen, gebrochenen Weiß- oder Sandtönen.
  • Teilauskleidung mit Wandpaneelen (z. B. HPL-Platten) im Duschbereich, wenn Umbau ansteht.

Im Putzbereich über dem Waschbecken solltest du auf abwaschbare, schimmelresistente Farbe achten und Silikonfugen regelmäßig prüfen.

Licht, Lüftung und Strom: Komfort auf kleinem Raum

Kleine Bäder leiden oft unter schlechter Beleuchtung und schwacher Lüftung. Beides hat direkten Einfluss auf Komfort und Schimmelgefahr.

9. Lichtplanung in fensterlosen und kleinen Bädern

Statt einer grellen Deckenleuchte brauchst du mehrere gut platzierte Lichtquellen:

  • Grundlicht: flache LED-Deckenleuchte, warmweiß (2700-3000 K), dimmbar, IP44+
  • Spiegelleuchte: LED-Leuchten seitlich oder oben am Spiegel mit neutralweißem Licht (3500-4000 K), gute Farbwiedergabe (CRI 90+)
  • Optionales Stimmungslicht: indirekte LED-Leiste unter dem Waschtisch oder hinter dem Spiegel für Bad-Atmosphäre abends

Plane Steckdosen so, dass Föhn, elektrische Zahnbürste und Rasierer Platz finden, ohne dass Kabel alles blockieren. In Bestandsbädern lohnt sich oft schon eine neue Spiegelleuchte mit integrierter Steckdose.

10. Lüftung und Feuchte-Management

Bei innenliegenden Bädern ohne Fenster ist ein funktionierender Lüfter Pflicht. Achte auf:

  • Lüfter mit Nachlaufzeit (mind. 15-20 Minuten nach Nutzung)
  • Leistungsstufe passend zur Raumgröße (meist 60-90 m³/h)
  • Leiser Betrieb (unter 30 dB, sonst wird er oft abgeschaltet)

In Bädern mit Fenster gilt:

  • Nach dem Duschen 5-10 Minuten Stoßlüften, Tür dabei geschlossen halten
  • Feuchte Handtücher ausgebreitet aufhängen, nicht in Ecken stapeln
  • Ggf. kleiner Luftentfeuchter als Ergänzung in dauerhaft feuchten Erdgeschosswohnungen

Organisation im Alltag: Ordnungssysteme, die wirklich genutzt werden

Selbst das bestgeplante Bad wird chaotisch, wenn es keine klaren Zonen gibt. Ziel: Jeder Gegenstand hat einen festen Platz und ist mit einem Handgriff erreichbar.

11. Zonenbildung im Bad

Teile dein Bad gedanklich in Funktionsbereiche:

  • Waschzone: Waschbecken, Spiegel, tägliche Pflegeprodukte
  • Dusch-/Wannezone: Duschgel, Shampoo, Rasierer
  • WC-Zone: Papier, Bürste, Hygieneartikel
  • Textilzone: Handtücher, Bademäntel, Wäschekorb

Lagere Dinge nur in der Zone, in der sie auch genutzt werden. Beispiel: Duschgel gehört in die Dusche, nicht in den Spiegelschrank.

12. Konkrete Ordnungshelfer, die sich bewährt haben

  • Schmale Rollwagen (Breite 15-20 cm) zwischen Waschmaschine und Wand für Waschmittel, Putzmittel.
  • Hängende Organizer hinter der Tür oder an der Duschstange für Kleinteile.
  • Beschriftete Boxen im Hoch- oder Oberschrank (z. B. „Vorrat“, „Gäste“, „Reise“).
  • Magnetleisten oder kleine Hakenleisten im Spiegelschrank für Pinzette, Schere, Haarspangen.
  • Wäschelösung: schmaler, hoher Wäschekorb statt breiter, niedriger - spart Stellfläche.

Budgetplanung: Was kostet eine spürbare Verbesserung?

Du musst nicht das ganze Bad kernsanieren, um eine deutliche Verbesserung zu erreichen. Drei grobe Budgetstufen für typische deutsche Mietbäder:

13. Low Budget (ca. 150-300 Euro)

  • Neuer Spiegelschrank oder neue Spiegelleuchte
  • 1-2 Wandregale und Türhakenleiste
  • Organizer, Boxen, neue Badematten
  • Feuchtraumfarbe für nicht geflieste Wände

14. Mittleres Budget (ca. 500-1500 Euro)

  • Neuer Waschtischunterschrank + passender Waschtisch
  • Hochschrank oder Möbel-Set fürs Bad
  • Glas-Badewannenaufsatz oder neue Duschabtrennung
  • Verbesserte Beleuchtung (Decke + Spiegel) und ggf. neuer Lüfter

15. Höheres Budget (ab ca. 2500 Euro aufwärts)

  • Wannentausch gegen Dusche oder neue Wanne
  • Teilsanierung mit neuen Fliesen im Nassbereich
  • Anpassung von Leitungen durch Fachbetrieb

Wichtig: In der Mietwohnung vor größeren Maßnahmen immer schriftliche Zustimmung einholen. Kleinere Möbel, Leuchten und Ordnungshelfer sind in der Regel unkritisch.

Podsumowanie

Kurze Checkliste, bevor du startest:

  • Raum exakt vermessen und Bewegungsflächen prüfen
  • Priorität klären: mehr Stauraum oder mehr Bewegungsfreiheit
  • Waschtisch- und Spiegelbereich als erstes optimieren
  • Wände vertikal nutzen: Oberschränke, Regale, über der Tür
  • Materialien wählen, die feuchtigkeitsresistent und pflegeleicht sind
  • Licht in zwei bis drei Ebenen planen (Decke, Spiegel, optional indirekt)
  • Klare Zonen und beschriftete Boxen für dauerhafte Ordnung schaffen
  • Budget festlegen und Maßnahmen in Etappen planen

FAQ

Wie viel Stauraum braucht man realistisch in einem 4 m² Bad?

Für 2 Personen reichen meist: ein Spiegelschrank 70-80 cm breit, ein Waschtischunterschrank mit zwei Auszügen und ein schmaler Hochschrank oder zwei Wandregale. Größere Vorräte (Klopapier, Putzmittel) besser in Abstellraum oder Keller auslagern.

Kann man in einem Mietbad Bohrlöcher in die Fliesen machen?

Das ist Mietvertragssache. Üblich ist: wenige, fachgerecht gesetzte Bohrlöcher gelten als vertragsgemäßer Gebrauch. Vorher Vermieter fragen, möglichst in Fugen bohren lassen und beim Auszug ggf. mit geeigneter Fugenmasse schließen. Alternativ hochwertige Klebe- oder Spannlösungen nutzen.

Welche Farben sind für kleine Bäder ohne Fenster geeignet?

Helle, warme Weiß- und Sandtöne funktionieren am besten. Kontraste sparsam einsetzen, z. B. ein etwas dunklerer Boden oder eine Akzentwand hinter dem Spiegel. Matte Farben an stark genutzten Flächen meiden, besser seidenmatt und abwaschbar wählen.

Wie verhindere ich Schimmel im kleinen Bad dauerhaft?

Konsequent lüften (nach jeder Dusche, Tür zu, Fenster weit auf), feuchte Textilien ausgebreitet trocknen, Silikonfugen regelmäßig kontrollieren und bei Bedarf erneuern. Ein funktionierender Lüfter mit Nachlauf hilft bei innenliegenden Bädern. Möbel nicht direkt auf kalte Außenwände pressen, damit Luft zirkulieren kann.