Warum Altbauten oft ungemütlich und teuer zu heizen sind
Viele deutsche Altbauwohnungen haben hohe Decken, alte Fenster und schlecht gedämmte Außenwände. Das ist charmant, aber energetisch problematisch. Du frierst trotz laufender Heizung, hast kalte Wandflächen und Zugluft. Eine vollständige energetische Sanierung ist als Mieter meist keine Option, als Eigentümer oft sehr teuer.
Die gute Nachricht: Du kannst mit Einrichtung, Textilien und einigen DIY-Maßnahmen den Energieverbrauch spürbar senken und den Komfort deutlich steigern - ohne in die Bausubstanz einzugreifen oder fünfstellige Summen auszugeben.
In diesem Artikel geht es um praxisnahe Lösungen, die sich in deutschen Altbauten und Mietwohnungen umsetzen lassen und sich über die Heizkosten teilweise selbst refinanzieren.
- Du wohnst in einem Altbau mit kalten Außenwänden (ja/nein)
- Du hast im Winter das Gefühl von Zugluft, besonders an Fenstern und Türen (ja/nein)
- Deine Heizkostenabrechnung ist über dem Durchschnitt vergleichbarer Wohnungen (ja/nein)
- Du kannst oder willst aktuell keine großen Baumaßnahmen durchführen lassen (ja/nein)
- Du bist bereit, 200-1000 Euro in sinnvolle, mobile Lösungen zu investieren (ja/nein)
- Du möchtest Maßnahmen, die beim Auszug größtenteils mitgenommen werden können (ja/nein)
Je mehr Fragen du mit „ja“ beantwortest, desto mehr Profit hast du von den folgenden Tipps.

Wärmeverluste über Fenster minimieren: Maßnahmen von günstig bis ambitioniert
Fenster sind im Altbau oft der größte Schwachpunkt. Selbst nachgerüstete Isolierglasfenster haben häufig undichte Anschlüsse oder schlecht gedämmte Laibungen.
1. Dichtungsbänder nachrüsten und überprüfen
Für wen geeignet: Mieter und Eigentümer, geringe Kosten, hoher Nutzen.
- Prüfe mit einem dünnen Papierstreifen: Zwischen Flügel und Rahmen klemmen und Fenster schließen. Lässt sich das Papier leicht herausziehen, ist die Dichtung schwach.
- Selbstklebende Gummidichtungen aus dem Baumarkt (EPDM oder Silikon) entlang der Falz aufkleben. Kosten: ca. 15-30 Euro pro Fenster, je nach Größe.
- Auf gleichmäßige, saubere Verklebung achten, Ecken sauber schneiden, nicht stückeln.
Praxistipp: Bei Holzfenstern lohnt es sich, zunächst Beschläge nachzustellen (Hausmeister oder Fensterbauer), bevor du Dichtungen klebst.
2. Thermovorhänge und mehrlagige Fensterdekoration
Schwere, dicht gewebte Vorhänge können den Wärmeverlust über Fenster deutlich reduzieren, ohne Bausubstanz zu verändern.
- Stoffwahl: dicht gewebte Stoffe (z. B. Velours, Dimout, Wolle-Mischgewebe), idealerweise mit Thermo-Futter.
- Länge: zumindest bis knapp über dem Boden, bei stark kalten Fassaden lieber 1-2 cm auf dem Boden aufstehen lassen (Luftabschluss).
- Breite: Vorhangfläche mindestens 2-2,5-fache Fensterbreite, damit ausreichend Falten und Luftpolster entstehen.
- Montage: Schiene oder Stange möglichst nah an der Decke, Vorhang seitlich über das Fenster hinausführen, um Kältezonen zu verkleinern.
Praxistipp: Kombination aus innenliegendem Wabenplissee (zur Scheibe hin) und schweren Vorhängen (raumseitig) bringt eine spürbare Verbesserung.
3. Kastenfenster und Nischen clever nutzen
In vielen Berliner und anderen Großstadt-Altbauten gibt es noch Kastenfenster. Sie haben Potenzial, wenn sie richtig genutzt werden.
- Innenflügel mit Dichtung nachrüsten, Spaltmaße prüfen.
- Den Zwischenraum der Fenster im Winter möglichst geschlossen halten, dort keine feuchten Gegenstände lagern.
- Schwere Vorhänge raumseitig, aber nicht zwischen die beiden Fenster setzen, sonst kondensiert Feuchtigkeit im Zwischenraum.
Kalte Außenwände entschärfen: Möbelstellung und Innendämmung light
Kalte Außenwände fühlen sich ungemütlich an und sorgen dafür, dass du stärker heizen musst, um dieselbe Behaglichkeit zu erreichen. Hier helfen durchdachte Möblierung und leichte, reversible Maßnahmen.

1. Möbel nicht direkt an kalte Außenwände stellen
Große Möbel an kalten Außenwänden verschärfen das Problem, weil die Luft dahinter steht und die Wand weiter auskühlt.
- Betten, Sofas und Schreibtische möglichst an Innenwände stellen.
- Wenn das nicht geht: 3-5 cm Abstand zur Außenwand lassen, damit Luft zirkulieren kann.
- Offene Regale sind besser als geschlossene Schränke an Außenwänden, weil sie mehr Luftbewegung zulassen.
Praxistipp: Bei sehr kalten Wänden im Schlafzimmer das Kopfteil des Bettes niemals direkt an die Außenwand stellen. Lieber Raummitte oder Innenwand nutzen, zur Not Bett quer im Raum.
2. Dünne Innendämmung mit Einrichtung kombinieren (Mietwohnung-tauglich)
Als Mieter kannst du keine klassische Innendämmung einbauen, aber du kannst eine Art „Einrichtungsdämmung“ schaffen.
- Großflächige Wandteppiche, dicke Akustikpaneele oder Holzpanelen mit Luftschicht können die Oberflächentemperatur leicht erhöhen.
- Offene Regale mit Büchern an der Außenwand wirken als leichte Pufferzone, sofern sie nicht komplett dicht abschließen (5 cm Abstand zur Wand lassen, keine Rückwand oder nur gelochte).
- Große, dicht gewebte Leinwände oder bespannte Holzrahmen mit Filz oder Kokosfasermatten dahinter montieren (mit Bildern oder Stoff bezogen, optisch wie Wandkunst).
Wichtig: Keine komplett dichten, vollflächig anliegenden Folien oder Schäume ohne bauphysikalische Beratung einsetzen. Schimmelgefahr!
3. Fußkälte und Wärmebrücken am Boden reduzieren
Besonders in Altbau-Erdgeschossen oder über unbeheizten Kellern ist der Boden oft kalt.
- Großflächige Teppiche mit Filzunterlage (mindestens 5-8 mm) einplanen, vor allem in Sitz- und Laufzonen.
- In Fluren und an Außenwänden Läufer verlegen, um das Kälteempfinden zu reduzieren.
- Im Home Office: dicke Teppichunterlage unter dem Schreibtischbereich, auch bei Hartboden wichtig.
Praxistipp: In typischen Berliner Altbauten mit Dielenboden reicht oft schon eine Kombination aus großem Wollteppich und Filzunterlage, um das Kälteempfinden um ein bis zwei Stufen zu senken.
Zugluft an Türen und Durchgängen stoppen
Neben Fenstern sind Wohnungstür, Treppenhausanschluss und Durchgänge zwischen kalten und warmen Zonen oft Problemstellen.
1. Wohnungstür zum Treppenhaus abdichten
Treppenhäuser im Altbau sind häufig unbeheizt. Durch Undichtigkeiten an der Wohnungstür strömt kalte Luft nach.
- Türbodendichtung oder automatische Türschwelle nachrüsten (Mietwohnung-tauglich, rückbaubar).
- Dichtungsband im Falz der Türzarge anbringen, ähnlich wie bei Fenstern.
- Vorhanglösung: Schwere, bodenlange Gardine innen vor die Wohnungstür montieren, ggf. mit Deckenschiene.
Praxistipp: Einfacher Test mit Rauch (Räucherstäbchen oder E-Zigarette): An Türfugen entlangführen und schauen, wo der Rauch gezogen wird.
2. Kalte Flure vom Wohnbereich trennen
Offene Grundrisse sind schön, aber energetisch schwierig. Kalte Bereiche ziehen warme Luft aus dem Wohnbereich ab.
- Wenn keine Tür vorhanden ist: Raumteiler-Vorhang, Schiebetürsystem oder Schiebeparavent nutzen.
- Leichte Trennwände mit Regalen und Vorhängen kombinieren, um Luftbewegung zu bremsen.
- In Altbau-Wohnküchen: Durchgang zum Flur mit Schiebevorhang und Magnetband an den Kanten ausstatten, damit der Vorhang besser schließt.
Heizkörper freihalten und optimal nutzen
Viele Altbauwohnungen haben alte Rippenheizkörper unter den Fenstern. Diese arbeiten erstaunlich effizient, wenn sie nicht behindert werden.
1. Keine verdeckten Heizkörper
Ein Klassiker: Sofa, Sideboard oder dichter Vorhang direkt vor der Heizung.
- Mindestens 10-15 cm Abstand zwischen Möbelstück und Heizkörper lassen.
- Vorhänge vor Heizkörpern so gestalten, dass sie auf dem Fensterbrett enden oder mit Raffhaltern seitlich gebunden werden können.
- Heizkörperverkleidungen nur verwenden, wenn sie lufttechnisch gut gelöst sind (oben offen, große Luftschlitze). Sonst Wirkungsgradverlust.
2. Reflektionsfolien an Außenwänden
Eine einfache, kostengünstige Maßnahme, besonders hinter Heizkörpern an Außenwänden.
- Speziell beschichtete Dämmfolien mit Aluminiumoberfläche an der Wand hinter dem Heizkörper anbringen (kleben oder klemmen, je nach System).
- Achte auf Produkte mit etwas Dämmung und nicht nur dünne Alufolie. Die Kombination aus Dämmung und Reflexion bringt den Effekt.
- Rückbau bei Auszug meist problemlos möglich, wenn du nicht direkt auf historische Tapeten klebst.
Praxistipp: In manchen Städten gibt es Förderprogramme oder Vermieter, die Folien akzeptieren oder sogar stellen. Nachfragen lohnt sich.
Raumklima, Lüften und Feuchtigkeit im Griff behalten
Mehr Dämmung und dichteres Wohnen haben eine Kehrseite: Feuchtigkeit und Schimmelgefahr. Deshalb gehört zu jeder Energiesparmaßnahme ein Lüftungskonzept, auch in Mietwohnungen.
1. Richtig lüften im Altbau
Altbau bedeutet nicht automatisch „die Wohnung atmet schon“. Besonders bei nachgerüsteten Fenstern ist Stoßlüften Pflicht.
- 2-4 mal am Tag 5-10 Minuten Stoß- oder Querlüftung, Heizung in der Zeit zurückdrehen.
- Keine dauergekippten Fenster im Winter, besonders nicht in Räumen mit Heizkörper darunter.
- Nach dem Duschen und Kochen sofort intensiv lüften, Türen zum Rest der Wohnung geschlossen halten.
2. Luftfeuchtigkeit kontrollieren
Ein einfaches Hygrometer (10-20 Euro) gehört in jeden Altbau-Haushalt.
- Optimale Luftfeuchte: 40-60 Prozent.
- Liegt sie dauerhaft über 60 Prozent: Lüftungsverhalten überprüfen, Wäsche nicht in kleinen Räumen trocknen, Feuchtigkeitsquellen minimieren.
- Bei sehr trockener Luft unter 35 Prozent (z. B. bei starkem Heizen): Punktuell Luft befeuchten, aber mit Bedacht (Verdunster an Heizkörpern, Pflanzen, nicht übertreiben).
Nachhaltige Materialien und sinnvolle Investitionsreihenfolge
Bevor du viel Geld in Technik oder Spezialprodukte steckst, lohnt sich ein Blick auf die Reihenfolge und Materialwahl.
1. Was sich in der Praxis zuerst lohnt
- Dichtungen an Fenstern und Türen (günstig, schnell, sofort spürbar).
- Textile Maßnahmen wie Thermovorhänge, Teppiche, Zugluftstopper.
- Möblierung optimieren: Positionierung von Bett, Sofa, Schreibtisch und Regalen.
- Heizkörperoptimierung: freistellen, ggf. Reflektionsfolien.
- Punktuelle „Einrichtungsdämmung“ mit Regalen, Paneelen, Wandtextilien.
2. Nachhaltige Materialien mit gutem Wohnklima
Viele Maßnahmen kannst du direkt mit ökologisch sinnvollen Materialien umsetzen:
- Wollteppiche statt rein synthetischer Billigteppiche (bessere Feuchteaufnahme, langlebiger).
- Vorhänge aus dicht gewebter Baumwolle oder Wollmischungen statt PVC-beschichteter Stoffe.
- Wandpaneele aus Holz, Kork, Filz oder anderen Naturmaterialien statt reinem Hartplastik.
- Massivholzregale vor Außenwänden, die langfristig nutzbar sind und beim Umzug mitkommen.
Praxistipp: Lieber weniger, dafür hochwertige und langlebige Stücke anschaffen, die du beim nächsten Umzug weiter nutzen kannst, statt mehrfach günstig zu kaufen.
Podsumowanie
- Fenster und Türen abdichten, Thermovorhänge und Zugluftstopper einsetzen.
- Möbel von kalten Außenwänden abrücken, Regale und Textilien als Puffer nutzen.
- Heizkörper freihalten, ggf. Reflektionsfolien hinter Heizkörpern anbringen.
- Großflächige Teppiche mit Unterlage gegen Fußkälte verlegen.
- Lüftung konsequent als Stoß- und Querlüftung organisieren, Luftfeuchte kontrollieren.
- Nachhaltige, langlebige Materialien wählen, die Energie sparen und das Raumklima verbessern.
FAQ
Wie viel kann ich mit solchen Maßnahmen realistisch an Heizkosten sparen?
Das hängt stark vom Ausgangszustand ab. In einem unsanierten Altbau mit undichten Fenstern und ungeschützten Heizkörpern sind 10-20 Prozent Einsparung durch Abdichtung, Thermovorhänge, Teppiche und optimierte Heizkörpersituation realistisch. Dazu kommt ein deutlich besseres Komfortempfinden, sodass du die Raumtemperatur oft um 1 Grad senken kannst, ohne zu frieren - das spart zusätzlich rund 6 Prozent Heizenergie pro Grad.
Ich bin Mieter - was darf ich überhaupt ohne Vermieter machen?
Alle mobilen Maßnahmen wie Vorhänge, Teppiche, Regale, Wandteppiche, freistehende Paneele sind unkritisch. Selbstklebende Dichtungen an Fenstern und Türen sind in der Praxis meist akzeptiert, solange sie rückbaubar sind und nichts beschädigen. Bei Bohrungen in Fensterrahmen oder größeren Baumaßnahmen solltest du unbedingt vorher die Zustimmung des Vermieters einholen.
Besteht durch zusätzliche Vorhänge und Regale an Außenwänden Schimmelgefahr?
Ja, wenn sie falsch eingesetzt werden. Wichtig ist, dass Luft noch zirkulieren kann: Möbel mit Abstand zur Wand (3-5 cm), keine völlig luftdichten Verkleidungen, regelmäßiges Lüften und Kontrolle der Luftfeuchtigkeit. Wandflächen hinter großen Möbeln gelegentlich prüfen. Wenn du zu Schimmel neigst oder schon Probleme hattest, lieber mit leichten, offenen Strukturen arbeiten und im Zweifel fachlichen Rat einholen.
Sind Infrarotheizungen eine gute Ergänzung im Altbau?
Infrarotheizungen können punktuell sinnvoll sein, etwa im Home Office oder im Bad, um bestimmte Bereiche schnell behaglich zu bekommen. Sie ersetzen aber in der Regel nicht die Zentralheizung. Wichtig ist, sie sinnvoll zu dimensionieren und nicht als Dauerheizung einzusetzen, wenn dein Stromtarif teuer ist. Bevor du in neue Heiztechnik investierst, solltest du die einfachen Dämm- und Einrichtungsmaßnahmen umsetzen, sonst heizt du nur weiter zum Fenster hinaus.