Warum der Keller mehr ist als nur Abstellraum
In vielen deutschen Wohnungen ist der Keller die heimliche Erweiterung der Wohnfläche. Hier landen alles, was saisonal, sperrig oder selten genutzt wird: Winterreifen, Skisachen, Umzugskartons, Ordner, Werkzeuge, Vorräte. Ohne System wird daraus schnell eine chaotische Abstellkammer, in die man ungern hinuntergeht.
Mit einer klaren Struktur, passenden Regalen und ein paar einfachen Regeln lässt sich fast jeder Keller - auch ein typischer 4-8 Quadratmeter Mietkeller mit Drahtgitter - in einen funktionalen, sicheren und halbwegs trockenen Stauraum verwandeln.
Wichtig ist, von den realen Gegebenheiten auszugehen: oft niedrige Decken, wenig oder kein Strom, manchmal Feuchtigkeit, Brandschutzauflagen und Nachbarn, die an deinem Kellerabteil vorbeilaufen.
- Hast du mindestens 1 freien Abend Zeit, um alles einmal grob auszuräumen? (ja/nein)
- Kannst du für 100-250 Euro in einfache Regale und Boxen investieren? (ja/nein)
- Darfst du laut Mietvertrag Regale an die Wand dübeln oder nur freistehend stellen? (ja/nein)
- Gibt es sichtbare Feuchteflecken oder muffigen Geruch an Wänden/Boden? (ja/nein)
- Lagern im Moment Kartons direkt auf dem Boden? (ja/nein)
- Findest du gesuchte Dinge im Keller meist unter 5 Minuten? (ja/nein)
- Kannst du die Kellertür problemlos komplett öffnen, ohne dass etwas im Weg steht? (ja/nein)

Bestandsaufnahme: Keller realistisch einschätzen
Bevor du neues Regalmaterial bestellst, musst du den Raum und die Bedingungen genau kennen. Das verhindert Fehlkäufe und Schimmelprobleme.
1. Maße und Grundriss nehmen
Nimm ein Blatt Papier, Maßband und notiere:
- Länge, Breite, Höhe des Raums (in cm)
- Türposition und Türöffnungsrichtung
- Fenster, Heizungsrohre, Stromkasten, Lüftungsgitter
- Stellen, an denen Wände sichtbar feucht oder salzverkrustet sind
Markiere eine klare Bewegungszone: mindestens 60 cm breiter „Gang“, in dem du mit einer Kiste in der Hand laufen kannst. Darum herum planst du Regale.
2. Feuchte und Klima prüfen
Gerade in Altbauten ist der Keller selten wirklich trocken. Für die Planung wichtig:
- Riecht es muffig, süßlich oder nach Schimmel?
- Gibt es dunkle Flecken, abplatzenden Putz oder Salzausblühungen an den Wänden?
- Fühlt sich der Boden kalt-feucht an?
- Steht im Sommer eher feuchte Luft, im Winter eher trockene Luft?
Wenn du unsicher bist, hilft ein einfaches Hygrometer (10-20 Euro). Werte über 70 Prozent Luftfeuchtigkeit über längere Zeit sind kritisch für Papier, Holz und Textilien.
Zonenplanung: Was gehört wohin?
Guter Kellerstauraum funktioniert über Zonen, nicht über „irgendwo ist noch ein Platz“. Denk den Raum in Funktionsbereichen. So findest du später schneller, was du brauchst.
Typische Zonen in einem deutschen Keller
- Saisonale Zone nah an der Tür: Winter-/Sommerkleidung, Koffer, Weihnachtsdeko
- Werkbank-/Werkzeugzone: Werkzeugkisten, Farben, Kleinteile
- Vorratszone: Konserven, Wasser, Getränke, haltbare Lebensmittel
- Sport- und Hobbyzone: Ski, Camping, Vereinssachen
- Dokumenten- und Erinnerungszone: Ordner, Fotoalben, Erinnerungsstücke
Wichtig: Nicht jede Zone ist in jedem Keller sinnvoll. In feuchten Kellern sollten z.B. keine Fotoalben und keine wichtigen Unterlagen lagern.
Praktische Anordnung im Raum
Bewährt hat sich folgende Reihenfolge von der Tür aus gesehen:
- Direkt neben der Tür: Dinge, die du mehrmals im Jahr brauchst (Koffer, Getränkekisten, saisonale Kleidung)
- Längsseiten des Raums: hohe Regale für Vorräte, Kisten, Werkzeug
- Hintere, schwer zugängliche Ecken: wirklich selten genutzte Dinge (Erinnerungskisten, alte Umzugskartons, Archivordner in Boxen)
Plane an einer Wand zwingend eine durchgängige Regalseite, selbst in kleinen Kellern ab 2 Quadratmetern. Das bringt deutlich mehr Ordnung als mehrere kleine Einzelregale im Raum verteilt.
Regalsysteme für den Keller: Metall, Holz oder Kunststoff?
Die Wahl der Regale entscheidet über Stabilität, Sicherheit und Langlebigkeit. In deutschen Kellern haben sich ein paar Systeme klar bewährt.
Metall-Schwerlastregale: robust und flexibel
Für die meisten Kellerräume sind verzinkte Metall-Schwerlastregale erste Wahl:
- Hohe Traglast pro Fach (meist 150-250 kg)
- Unempfindlich gegen Feuchtigkeit (verzinkt)
- Einfach höhenverstellbare Böden
- Relativ schmale Tiefe (30-45 cm), ideal für schmale Gänge
Preislich liegst du im Baumarkt oder online meist bei 25-60 Euro pro Regal (Breite ca. 90-100 cm, Höhe 180-200 cm). Für einen 6 Quadratmeter Keller brauchst du typischerweise 2-4 solcher Regale.
Holzregale: nur in trockenen Kellern sinnvoll
Günstige Holzregale oder selbstgebaute Lösungen aus Konstruktionsholz sind möglich, aber nur, wenn der Keller halbwegs trocken ist. Achte auf:
- Gummifüße oder Abstand zum Boden
- Ausreichend starke Bretter (mind. 18-22 mm)
- Eventuell Vorbehandlung mit Holzschutzlasur innenraumgeeignet
Vorteil: flexibel anpassbar, angenehm in der Haptik. Nachteil: anfällig für Feuchtigkeit und Verformung, gerade bei Getränkekisten.
Kunststoffregale: leicht, aber begrenzt belastbar
Kunststoffregale sind schnell aufgestellt und unempfindlich gegen Feuchtigkeit, aber:
- Geringere Traglast pro Boden
- Bei unebenem Boden kippelanfällig
- Für schwere Kisten und Getränke eher ungeeignet
Sie eignen sich gut für leichte, trockene Lagerung: Dekokartons, leichte Haushaltsgeräte, Campingzubehör.
Wichtige Sicherheitsaspekte bei Regalen
- Kippsicherung: Wo möglich Regale an der Wand verschrauben, besonders bei schmalen Gängen.
- Schwere nach unten: Getränkekisten, Farbeimer, schwere Kartons immer in die unteren Fächer.
- Abstand zum Boden: Unterste Ebene nicht direkt auf Bodenniveau, 10-20 cm Luft gegen Feuchtigkeit.
- Brandschutz: Brennbares Material (Pappe, Textilien) nicht neben Stromkästen, Heizungsleitungen oder offenen Installationen lagern.
Lagerung im Keller: Was darf rein und was besser nicht?
Nicht alles, was im Alltag stört, gehört automatisch in den Keller. Gerade Mietverträge und Versicherungen setzen Grenzen.
Unkritisch: Was typischerweise ok ist
- Getränkekisten, Konserven, haltbare Lebensmittel in verschlossenen Behältern
- Werkzeuge, Maschinen (gut verpackt)
- Sportgeräte wie Ski, Schlittschuhe, Campingausrüstung
- Koffer, Reisetaschen
- Saisonale Dekoration, wenn in Kunststoffboxen gelagert
Vorsicht: Diese Dinge nur eingeschränkt lagern
- Kleidung und Textilien: Nur in dichten Kunststoffboxen, nicht in offenen Kartons, und möglichst nicht in sehr feuchten Kellern.
- Bücher und Papier: Nur in wirklich trockenen Räumen, am besten in geschlossenen Boxen mit Deckel.
- Elektronik: Nur Geräte, die Feuchtigkeit und Temperaturwechsel gut wegstecken (z.B. alte Verstärker eher nicht).
Tabu oder sehr riskant
- Leicht entzündliche Stoffe in größeren Mengen (Benzin, größere Farb- und Lösungsmittelvorräte)
- Wertgegenstände, teure Fahrräder ohne entsprechende Sicherung
- Wichtige Dokumente wie Original-Urkunden, Grundbuchunterlagen
- Lebensmittel in offenen Verpackungen (zieht Ungeziefer an)
Ein Blick in die Hausordnung oder den Mietvertrag lohnt sich: häufig sind z.B. das Lagern von brennbaren Stoffen oder das Abstellen von Möbeln im Gemeinschaftskeller geregelt.
System in die Dinge bringen: Kisten, Etiketten, Laufwege
Regale allein lösen das Chaos nicht. Entscheidend ist, wie du darin sortierst.
Kisten und Boxen: Welche Typen sind sinnvoll?
Für Keller bewährt haben sich:
- Transparente Kunststoffboxen mit Deckel (30-70 Liter) für Deko, Kleidung, Kleinkram
- Stabile Euroboxen (z.B. 40×60 cm) für Werkzeug, Vorräte, schwere Teile
- Kleinere Sortierboxen für Schrauben, Dübel, Elektrozubehör
Pappkartons eignen sich nur als Übergangslösung oder in sehr trockenen Kellern. Spätestens beim zweiten feuchten Winter sind sie weich, reißen und sehen ungepflegt aus.
Beschriftung: so, dass auch andere es finden
Eine sinnvolle Kellerbeschriftung sollte so funktionieren, dass auch dein Partner, deine Kinder oder Besuch etwas finden. Praktische Vorgehensweise:
- Jedes Regal erhält eine Nummer oder Bezeichnung (z.B. „Regal A“, „Regal B“)
- Jedes Fach eine einfache Kennzeichnung (1-5 von unten nach oben)
- Jede Box ein klares, kurzes Label (z.B. „Weihnachten“, „Werkzeug Elektro“, „Camping“)
Optional kannst du eine einfache Liste an der Innenseite der Kellertür anbringen: welche Kategorie in welchem Regal/Fach steht. Das kostet 15 Minuten und erspart viel Suchzeit.
Laufwege und Zugriff: typischer Fehler vermeiden
Plane bewusst so, dass du selten gestapelte Dinge vorziehen musst. Grundprinzip:
- Häufig gebraucht: auf Griffhöhe (zwischen 80 und 150 cm)
- Schwer und selten gebraucht: ganz unten
- Leicht und selten gebraucht: ganz oben
Stacke Boxen nur maximal zwei hoch und möglichst nur in den unteren Regalebenen. Sobald du drei oder mehr Boxen stapelst, holst du die unterste in der Praxis kaum noch heraus.

Feuchtigkeit, Lüftung und Schutz: So bleibt der Keller nutzbar
Viele Keller in Deutschland sind nicht ideal gedämmt und teilweise feucht. Du kannst daraus zwar keinen Wohnraum machen, aber die Lagerbedingungen deutlich verbessern.
Richtig lüften im Keller
Im Keller gilt andere Logik als in der Wohnung:
- Sommer: eher morgens und spät abends lüften, wenn die Außenluft kühler und trockener ist. Warme, feuchte Außenluft führt sonst zu Kondenswasser an kalten Wänden.
- Winter: regelmäßiges Stoßlüften tagsüber ist fast immer gut, da kalte Winterluft weniger Feuchtigkeit enthält.
Wenn du nur ein kleines Fenster hast, reicht oft 10-15 Minuten Stoßlüften 1-2 Mal pro Woche. In sehr feuchten Kellern kann ein elektrischer Luftentfeuchter sinnvoll sein, wenn Strom vorhanden ist.
Boden- und Wandschutz
Ein paar einfache Maßnahmen helfen, eingelagertes Gut zu schützen:
- Gummimatten oder Paletten unter Regalen, damit nichts direkt auf dem Boden steht.
- Abstand zu Außenwänden: Regale 3-5 cm von der Wand abrücken, damit Luft zirkulieren kann.
- Keine Folie vollflächig an Wänden: Das kann Feuchtigkeit einschließen und Schimmel fördern.
Bei klar sichtbaren Feuchteproblemen (Putz löst sich, schwarze Flecken) solltest du den Vermieter informieren und keine empfindlichen Dinge in diesem Bereich lagern.
Mieterrechte, Sicherheit und Nachbarschaft
Gerade in Mehrfamilienhäusern mit Gemeinschaftskeller ist Rücksichtnahme und Sicherheit wichtig.
Rechte und Pflichten als Mieter
Typischerweise gilt:
- Das Kellerabteil ist mitvermietet, aber in der Nutzung eingeschränkt (Brandschutz, Fluchtwege).
- Gemeinschaftsflächen (Flure, Fluchtwege) dürfen nicht zugestellt werden.
- Gitterverschläge dürfen meist innenmöbliert, aber baulich nicht verändert werden, ohne Zustimmung des Vermieters.
Im Zweifel lohnt ein kurzer Blick in den Mietvertrag oder eine Nachfrage bei der Hausverwaltung, bevor du große Regale fest andübelst.
Diebstahlschutz und Versicherung
Bedenke bei der Planung auch das Thema Sicherheit:
- Teure Dinge (hochwertige Fahrräder, E-Bikes) möglichst nicht freistehend im Gemeinschaftskeller lassen.
- Schloss und ggf. eine Zusatzsicherung am eigenen Kellerabteil anbringen.
- Bei der Hausratversicherung prüfen, ob der Keller mitversichert ist und welche Bedingungen gelten.
Lagere Wertvolles eher in der Wohnung. Im Keller sollte bestenfalls nichts liegen, dessen Verlust existenziell wäre.
Praktischer 1-Tages-Plan für mehr Ordnung im Keller
Zum Abschluss ein realistischer Fahrplan für einen typischen Samstag im deutschen Haushalt. Ziel: Aus Chaos wird ein strukturierter Keller.
Vormittag: Grobes Ausräumen und Sortieren
- Alles, was im Gang steht, nach oben holen oder vor der Kellertür zwischenlagern.
- Grobe Kategorien bilden: Müll, Spende/Verschenken, Bleibt im Keller, Muss in die Wohnung.
- Direkt entsorgen, was offensichtlich kaputt ist oder seit Jahren ungenutzt herumliegt.
Mittag: Regale aufbauen und Zonen festlegen
- Geplante Regale aufbauen, Kippsicherung vorbereiten.
- Laufweg von mind. 60 cm Breite freihalten.
- Zonen festlegen und mit einem Stück Malerkrepp und Stift grob beschriften (z.B. „Vorräte“, „Werkzeug“, „Dekoration“).
Nachmittag: Einräumen und Beschriften
- Boxen nach Kategorien packen, beschriften und in die dafür vorgesehenen Regalfächer stellen.
- Schwere Dinge nach unten, häufig genutzte auf Griffhöhe.
- Eine kurze Übersichtsliste an die Innenseite der Kellertür kleben.
Podsumowanie
Kurzcheck für deinen funktionalen Keller:
- Hast du einen klaren Laufweg von mindestens 60 cm Breite?
- Sind schwere Teile unten und empfindliche Dinge oben und in Boxen verstaut?
- Stehen Regale nicht direkt an feuchten Außenwänden, sondern mit Abstand?
- Ist klar geregelt, was im Keller gelagert werden darf und was nicht?
- Sind alle Kisten so beschriftet, dass auch andere sie verstehen?
- Kannst du die wichtigsten Dinge in unter 5 Minuten finden?
FAQ
Wie viel darf ich in meinem Mietkeller lagern?
Grundsätzlich alles, was nicht gegen Brandschutzauflagen verstößt und die Bausubstanz nicht gefährdet. Große Mengen brennbarer Stoffe, z.B. Farbdosen, Benzin oder Gaskanister, sind meist nicht erlaubt. Fluchtwege dürfen nie zugestellt werden. Im Zweifel in die Hausordnung schauen oder Hausverwaltung fragen.
Welche Regaltiefe ist im Keller ideal?
Für typische Mietkeller sind 30-40 cm Tiefe meist optimal: ausreichend für Kisten und Vorräte, aber schmal genug, um den Gang nicht einzuengen. Tiefer als 50 cm lohnt sich nur bei sehr großen Räumen oder speziellen Lagerthemen wie Reifen oder sehr großen Kisten.
Wie kann ich Schimmel an gelagerten Sachen vermeiden?
Niemals direkt auf dem Boden lagern, sondern auf Regalen mit Bodenabstand. Kleidung, Deko und Papier immer in geschlossenen Kunststoffboxen, nicht in offenen Kartons. Keller korrekt lüften, bei stark erhöhter Luftfeuchtigkeit ggf. Entfeuchter verwenden und keine empfindlichen Dinge an problematischen Außenwänden lagern.
Kann ich meinen Keller als Hobby- oder Werkstattraum nutzen?
Das hängt von Mietvertrag, Hausordnung und Ausstattung ab. Leise Hobbys und eine kleine Werkbank sind oft möglich, solange Lärm- und Ruhezeiten eingehalten werden und Brandschutzauflagen (z.B. keine offenen Flammen, kein Schweißen) berücksichtigt werden. Bei größeren Umbauten oder Daueraufenthalt im Keller unbedingt vorher Vermieter und ggf. Bauordnung beachten.