Warum der Flur wichtiger ist, als viele denken
Der Flur ist in vielen deutschen Wohnungen ein Problemraum: schmal, dunkel, zugestellt mit Schuhen und Jacken. Gerade in Mietwohnungen von 55 bis 90 m² bleibt ihm oft nur ein Schlauch von 1 bis 1,2 m Breite. Trotzdem muss er viel leisten: Garderobe, Schuhe, Taschen, Schlüssel, manchmal auch Stauraum für Putzmittel oder Vorräte.
Wer den Flur systematisch plant, gewinnt gefühlt mehrere Quadratmeter Wohnfläche zurück. Der Schlüssel: Höhe nutzen, Tiefe minimieren, Abläufe im Alltag berücksichtigen und konsequent Ordnungssysteme einführen.
In diesem Artikel geht es nicht um Deko, sondern um praxisnahe Lösungen, die in typischen Grundrissen von Miet- und Reihenhäusern funktionieren.
- Ist der Flur schmaler als 130 cm?
- Bleiben weniger als 90 cm freie Durchgangsbreite?
- Stolpern Sie häufiger über Schuhe oder Taschen?
- Hängen Jacken in zwei oder mehr Schichten übereinander?
- Gibt es keinen festen Platz für Schlüssel, Post und Geldbörse?
- Wirkt der Flur trotz Deckenlampe eher düster?
- Müssen Gäste erst Dinge zur Seite räumen, um reinkommen zu können?
Wenn Sie mehr als drei Fragen mit „Ja“ beantworten, lohnt sich eine gezielte Neuplanung.

Schmale Flure planen: Maße, die wirklich zählen
Bevor Sie Möbel kaufen, sollten Sie die Basis klären. Viele Probleme entstehen, weil Standardmöbel (z.B. 40 cm tiefe Garderobenschränke) in 1 m schmale Flure gestellt werden.
Wichtige Mindestmaße im Flur
- Durchgangsbreite: Mindestens 85-90 cm frei, damit zwei Personen aneinander vorbeikommen und man mit Wäschekorb oder Einkaufstüten durchpasst.
- Schuhtiefe: Alltags-Schuhe brauchen 28-32 cm. Für schmale Flure sind 17-23 cm tiefe Klappschränke sinnvoll.
- Hängende Garderobe: Jacken brauchen ca. 45-50 cm Tiefe. In sehr schmalen Fluren besser Haken oder schmal vorgestellte Stangen statt tiefer Schränke einsetzen.
- Türschwenkbereiche: Wohnungstür, Badtür und Zimmertüren einplanen. Markieren Sie mit Malerkrepp die Flügel auf dem Boden, um Kollisionen mit Möbeln zu vermeiden.
So messen Sie den Flur richtig
- Gesamtlänge und -breite an mehreren Stellen messen, Altbauten sind oft nicht exakt rechtwinklig.
- Positionen der Türen (inkl. Öffnungsrichtung), Lichtschalter, Steckdosen und Sicherungskästen einzeichnen.
- Höhe bis Unterkante Türsturz und Decke messen - wichtig für hohe Schränke.
- Fotos aus verschiedenen Perspektiven machen, bevor Sie planen. Damit fällt es leichter, Maßmöbel oder Module auszusuchen.
Stauraum in der Vertikalen: Wände voll ausnutzen
In schmalen Fluren ist die Wandfläche Gold wert. Ziel ist, möglichst viel Stauraum über 1,80 m Höhe zu schaffen, damit der Raum unten luftig bleibt.
Oberschränke und schmale Hochschränke
Ideal in Eigentumswohnungen oder in Mietwohnungen mit etwas kulanter Hausverwaltung:
- Deckennaher Hängeschrank (z.B. 30-35 cm tief, 40-50 cm hoch) über der Garderobe für selten genutzte Schuhe, Schals, Mützen, Gästejacken.
- Schlanke Hochschränke (Tiefe 30-35 cm, Breite 40-60 cm, Höhe bis knapp unter die Decke) an kurzen Stirnseiten des Flurs. Innen: Fächer für Putzmittel, Werkzeug, Saisontextilien.
- Offene Regale mit Boxen: optisch leichter, aber nur mit ordentlichen Kisten sinnvoll. Ideal für Haushalte mit Kindern.
Schuhaufbewahrung: schmal, robust, gut belüftet
Statt wackeliger Kompaktlösungen lohnt sich eine klare Strategie:
- Schmale Schuhkipper (17-23 cm tief) für Alltags- und Büroschuhe.
- Stapelbare Boxen für selten getragene Schuhe im oberen Bereich von Hochschränken.
- Metallgitter oder gelochte Fronten, damit Schuhe trocknen können.
- Innenorganisation: eine Ebene für jedes Familienmitglied, Labels für schnelle Zuordnung.
Hakenleisten statt wuchtiger Garderobenschränke
In sehr schmalen Fluren (unter 110 cm) sind klassische Garderobenschränke kaum sinnvoll. Besser:
- Mehrere Hakenleisten auf zwei Höhen - oben für Erwachsene, unten für Kinder.
- Seitlich an Wänden montierte Haken, damit beim Öffnen der Tür nichts im Weg ist.
- Einfache Wandpaneele mit Haken und schmaler Ablage (10-15 cm), z.B. für Sonnenbrillen, Handschuhe, Schals.
Licht und Farben: dunkle Schlauchflure aufhellen
Viele Flure haben kein Fenster. Dadurch wirken sie schnell beengt. Mit dem richtigen Lichtkonzept und Farbschema lässt sich das deutlich verbessern.

Beleuchtung in Zonen denken
Statt einer einzigen Deckenleuchte in der Mitte des Flurs ist ein mehrstufiges Konzept sinnvoll:
- Grundlicht: 2-3 flache LED-Deckenleuchten oder eine durchgehende LED-Leiste bei Fluren ab 3 m Länge.
- Funktionslicht an der Garderobe: Wand- oder Spotbeleuchtung über Spiegel oder Kleiderhaken, um Jackenfarben und Flecken zu erkennen.
- Bodennahe Beleuchtung: LED-Streifen am Sockel, in der Schuhbank oder entlang der Fußleisten. Ideal als Nachtlicht für Familien.
- Bewegungsmelder: Besonders praktisch mit vollen Händen oder für Kinder. In Mietwohnungen mit Zwischensteckern oder batteriebetriebenen Leuchten lösbar.
Farben, die optisch verbreitern
- Helle Wände: Weiß- oder Sandtöne mit leicht warmem Unterton lassen Flure freundlicher wirken.
- Dunkler Boden, helle Wände: Das erdet den Raum und lässt ihn höher erscheinen.
- Eine Stirnwand in Farbe: Am Ende eines langen Flurs eine gedeckte Akzentfarbe (z.B. Salbeigrün, Schlamm, Blau-Grau), um die „Röhre“ zu verkürzen.
- Decke nicht abdunkeln: In niedrigen Fluren Decke immer heller als die Wände halten.
Spiegel als strategische Helfer
Spiegel sind im Flur doppelt praktisch: Man sieht sich vor dem Gehen und holt mehr Licht in den Raum.
- Hohe, schmale Spiegel an der Längswand vergrößern optisch.
- Spiegel gegenüber von Türen mit Lichtquelle nutzen, um Helligkeit zu verdoppeln.
- Spiegel mit integrierter Konsole kombinieren Aufbewahrung und Kontrolle des Outfits.
Ordnungssysteme für den Alltag: Was wohin gehört
Der schönste Flur bringt nichts, wenn jeden Abend alles im Chaos versinkt. Deshalb braucht jeder Gegenstand einen festen Platz mit klaren Regeln für alle Haushaltsmitglieder.
Jacken und Mäntel: nur das, was aktuell ist
- Im Flur nur aktuelle Saisonjacken aufbewahren, Rest in Kleiderschrank oder Abstellraum.
- Maximal 1-2 Jacken pro Person sichtbar. Der Rest in einem geschlossenen Schrank oder auf einer oberen Stange.
- Gästehaken einplanen, mindestens 3-4 freie Haken.
Schuhe: Rotationsprinzip einführen
- Alltagsschuhe im Flur, Rest im Schlafzimmer oder Keller lagern.
- Maximale Schuhanzahl definieren, z.B. 3 Paar pro Person im Flur.
- Schuhbank für oft genutzte Schuhe, darunter Kisten oder offene Fächer.
- Gummimatten oder Einleger, damit der Boden vor Nässe und Schmutz geschützt bleibt.
Kleinteile: Schlüssel, Post, Geldbeutel
Typische Stressfaktoren am Morgen lassen sich mit einfachen Lösungen entschärfen:
- Feste Ablage direkt neben der Tür: eine schmale Konsole (10-20 cm tief) oder ein Wandbord.
- Schalen oder kleine Boxen für Schlüssel, Portemonnaie, Fahrradlampen, Hausausweise.
- Briefablage nach Kategorien: z.B. „Noch erledigen“, „Ablage“, „Post für Nachbarn“.
- Haken innen an der Wohnungstür für Hundeleine, Stoffbeutel, Fahrradschlüssel.
Mietwohnung vs. Eigentum: Was ist baulich erlaubt?
Gerade in Mietwohnungen müssen Lösungen oft reversibel sein. In Eigentumswohnungen können deutlich dauerhaftigere Maßnahmen umgesetzt werden.
Flurideen für Mietwohnungen (rückbaubar)
- Freistehende Garderobenständer mit geringer Standfläche.
- Schmale Schuhschränke, die nur an wenigen Punkten verdübelt werden.
- Klebende Haken oder Systeme mit Klemm- bzw. Spannstangen, wenn Bohren unerwünscht ist.
- Leichte Regalsysteme, die nur im Sockel mit der Wand gesichert werden.
- LED-Beleuchtung mit Batterie oder Steckdosen, um die Elektroinstallation nicht anfassen zu müssen.
Dauerhafte Lösungen für Eigentum
- Einbauschränke nach Maß von Wand zu Wand, ideal unter 40 cm Tiefe mit Schiebetüren.
- Verlegte oder zusätzliche Steckdosen im Flur für Staubsauger, Akku-Ladestationen etc.
- Deckeneinbauleuchten mit klar definierten Lichtzonen.
- Nischen mit Trockenbau, um Garderoben und Putzschränke bündig in die Wand zu integrieren.
Flur für Familien mit Kindern: robust und selbsterklärend
Mit Kindern muss der Flur vor allem eines sein: leicht verständlich. Jedes Kind braucht klar erkennbare „eigene“ Zonen.
Kindergerechte Lösungen
- Niedrige Hakenreihen auf Kinderhöhe (ca. 90-110 cm), gut sichtbar und nicht überfüllt.
- Farbcodierung: Jede Person hat eine eigene Farbe (Haken, Box, Label).
- Sitzmöglichkeit: stabile Bank oder Hocker zum Schuhe anziehen.
- Geschlossene Boxen für Mützen, Schals, Sportbeutel.
- Waschbare Materialien: abwischbare Fronten, Fußmatten mit Gummirücken, robuste Wandfarbe im unteren Bereich.
Typische Fehler im Familienflur
- Zu viele Jacken ganzjährig im Flur.
- Keine klare Regel, welche Schuhe wo stehen dürfen.
- Garderobenleisten zu hoch angebracht.
- Kein definierter Platz für Kita-/Schulsachen.
Podsumowanie
Kurze Checkliste, bevor Sie starten:
- Flur komplett ausgemessen (Breite, Länge, Türschwenkbereiche)?
- Mindest-Durchgangsbreite von 85-90 cm eingeplant?
- Vertikalen Stauraum bis zur Decke genutzt, statt tiefer Bodenschränke?
- Lichtkonzept mit mindestens zwei Zonen (Grundlicht + Funktionslicht) vorgesehen?
- Feste Plätze für Schlüssel, Post, Schuhe und Jacken definiert?
- Pro Person begrenzte Mengen für Jacken und Schuhe im Flur festgelegt?
- Mietrechtliche Grenzen beachtet und möglichst reversible Lösungen gewählt?
FAQ
Wie tief dürfen Möbel in einem sehr schmalen Flur maximal sein?
Bei Fluren mit 100-110 cm Breite sollten Möbel in der Regel nicht tiefer als 20-25 cm sein, damit eine ausreichende Durchgangsbreite bleibt. Ideal sind schmale Schuhkipper, Hakenleisten und Wandregale mit 10-15 cm Tiefe. Prüfen Sie immer auch Türöffnungen.
Welche Farbe eignet sich am besten für einen dunklen Flur ohne Fenster?
Helle, warme Weiß- oder Sandtöne funktionieren am besten, kombiniert mit einem etwas dunkleren, robusten Boden. Vermeiden Sie kalte, graublaue Töne, wenn der Flur schon sehr wenig Tageslicht hat. Eine farbige Stirnwand am Flurende kann den Raum gemütlicher machen, ohne ihn zu erdrücken.
Wie viele Schuhe sollten im Flur maximal stehen?
Bewährt hat sich die Faustregel: 2-3 Paar pro Person im Flur, der Rest in Schränken in anderen Räumen oder im Keller. Für Kinder zusätzlich ein Paar Gummistiefel oder Turnschuhe. Sobald die Kapazität im Schuhschrank erreicht ist, müssen alte oder selten getragene Paare raus aus dem Flur.
Was kann ich tun, wenn ich als Mieter nicht bohren darf?
Nutzen Sie freistehende Garderoben, Spannstangen zwischen zwei Wänden, selbstklebende Haken und Möbel, die nur unten durch ihr Eigengewicht stabil sind. Für Licht eignen sich batteriebetriebene LED-Leuchten mit Bewegungssensor sowie Stehleuchten in Ecken. Viele Systeme sind so konzipiert, dass sie spurlos wieder entfernt werden können.