Das Streichen von Raufasertapete gehört zu den häufigsten Renovierungsarbeiten in deutschen Miet- und Eigentumswohnungen. Ob beim Auszug oder nach Jahren der Nutzung – die alte Farbe soll weichen, ein neuer Anstrich her. Doch einfach überstreichen reicht oft nicht: Ohne richtige Vorbereitung blättern, schimmern oder flecken die neuen Farbschichten. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Raufasertapete in deutschen Alt- und Neubauten fachgerecht neu streichen, welche Farbe sich bewährt und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen. Praxisbeispiele aus 15 Jahren Erfahrung auf dem deutschen Markt helfen, typische Fehler zu vermeiden.
Auf einen Blick
- Prüfen: Tapete auf Schäden, Ablösungen und alte Farbe untersuchen. Lose Stellen nachspachteln (Spachtelmasse ca. 5–12 €/kg, z. B. Molto oder Knauf).
- Reinigen: Fett- und Rußflecken entfernen, ggf. mit Waschmittel oder Nikotinreiniger (ca. 8–15 €/Liter).
- Grundieren: Tiefgrund oder Tapetengrund auftragen, besonders bei saugenden oder gestrichenen Tapeten. Kosten ca. 15–25 € für 5 Liter, reicht für ca. 50 m².
- Farbe wählen: Spezielle Raufaserfarbe mit hoher Deckkraft (z. B. Alpina Raufaserfarbe, Schöner Wohnen Polarweiß). Deckkraftklasse 1 bevorzugen. Preis pro Liter 10–30 €, je nach Qualität.
- Mengen kalkulieren: Faustformel: Für 20 m² Wandfläche mit zwei Anstrichen benötigen Sie ca. 10 Liter Farbe (bei Erstanstrich eher 12 L). Kosten Farbe: ca. 40–80 € für ein normales Wohnzimmer (25 m²).
- Werkzeug: Profi-Farbwalze (z. B. Fellroller 25 cm, ca. 10–15 €), Pinsel für Ecken (ca. 5–8 €), Abdeckfolie (ca. 10 €), Kreppband (ca. 5 €). Rest ca. 30–40 €.
- Kosten gesamt: Für ein 20-m²-Zimmer mit Grundierung und zwei Farbanstrichen inkl. Werkzeug: etwa 70–120 €.

Vorbereitung: Tapete prüfen, reparieren und grundieren
Bevor Sie zur Farbrolle greifen, steht die gründliche Vorbereitung. Raufasertapete in deutschen Wohnungen – egal ob Altbau (oft älter als 50 Jahre) oder Plattenbau – kann unterschiedliche Zustände aufweisen. Prüfen Sie zuerst, ob die Tapete noch fest sitzt. Drücken Sie lose Stellen mit Spachtelmasse an und lassen Sie diese trocknen. Feine Risse oder Löcher verspachteln Sie mit einem leichten Füller (ca. 8 €/kg von Pufas). Achten Sie auf DIN 18366 (Putzarbeiten) und DIN 18363 (Malerarbeiten) – auch wenn Sie selbst sanieren, ist die Kenntnis der Normen hilfreich, um fachgerecht zu arbeiten.
Im nächsten Schritt reinigen Sie die Tapete gründlich. In einer 55 m² Altbauwohnung in Leipzig mit alter Ölheizung sammeln sich schnell Rußablagerungen an der Heizungsnische. Verwenden Sie einen milden Reiniger oder Spezial-Nikotinreiniger (z. B. von Sulit, ca. 12 €/L). Nach dem Trocknen testen Sie die Saugfähigkeit: Ein Wassernebel sollte nicht sofort einziehen. Ist die Tapete stark saugend, ist eine Grundierung mit Tiefgrund (z. B. Caparol Tiefgrund, ca. 18 €/5 L) nötig. Tragen Sie diesen gleichmäßig auf – am besten mit einer Walze. Wichtig: Tiefgrund nicht auf bereits gestrichene, glatte Tapeten auftragen; dort reicht ein Haftgrund (ca. 20 €/L).
Die Grundierung sorgt für ein gleichmäßiges Saugverhalten und verhindert, dass die Farbe ungleichmäßig einzieht oder abblättert. Gerade in deutschen Mietwohnungen, in denen oft mehrmals überstrichen wurde, ist die Grundierung der Schlüssel zum Erfolg. Lassen Sie die Grundierung mindestens 4–6 Stunden trocknen. Ein Beispiel: In einer Berliner 60-m²-Wohnung aus den 1970ern waren drei alte Farbschichten auf der Raufaser. Nach Grundierung und einem frischen Anstrich sah die Decke wieder aus wie neu – ohne Blasen oder Risse.
Die richtige Farbe auswählen: Qualität, Deckkraft und Lichtverhältnisse
Nicht jede Wandfarbe eignet sich für Raufasertapete. Normale Dispersionsfarbe kann die Struktur zusetzen oder schlecht decken. Spezielle Raufaserfarben von Herstellern wie Alpina („Raufaserfarbe“), Schöner Wohnen („Polarweiss“) oder Caparol („Malerweiß“) enthalten mehr Bindemittel und ermöglichen einen dünnen, deckenden Auftrag, der die Maserung der Tapete erhält. Achten Sie auf die Deckkraftklasse – Klasse 1 ist die höchste Deckkraft und vermeidet mehrlagiges Überstreichen. Kosten: Ein 10-Liter-Eimer deckt ca. 40 m² pro Anstrich, liegt preislich zwischen 25 und 60 €.
Für hellere Räume empfehle ich matte Farben mit geringem Glanz (Glanzgrad 1–2). Diese kaschieren Unebenheiten besser und sind auch bei Mietverträgen oft vorgeschrieben („in Weiß, matt“). In Räumen mit viel Feuchtigkeit (Bäder, Küchen) sollten Sie eine feuchtigkeitsregulierende Farbe wählen – z. B. mit integriertem Schimmelschutz (Claus No 1-Kellerfarbe, ca. 40 €/5 L). Achten Sie aber darauf, dass solche Farben für Raufasertapete zugelassen sind.
Kalkulieren Sie großzügig: Ein 25-m²-Zimmer mit 2,50 m Raumhöhe (ca. 65 m² Wandfläche) benötigt bei zwei Anstrichen mindestens 15 Liter Farbe. Rechnen Sie 30–50 € für Farbe allein. Beispiel: In einer Münchner Neubauwohnung mit Raufasertapete im Flur (15 m²) reichten 10 Liter Alpina Raufaserfarbe für zwei deckende Anstriche. Die Gesamtkosten pro Quadratmeter lagen bei etwa 2,50 €.
Arbeitsschritte: Vom Anrühren bis zum gleichmäßigen Finish
Nun zur konkreten Durchführung. Sie benötigen: Farbwalze (Lammfell oder Schaum, ca. 12–18 €), einen Kasten bzw. Farbeimer-Abstreifer, Malerpinsel für Ecken (ca. 8 €), Abdeckfolie (ca. 10 € für 50 m), Kreppband (ca. 5 €), ggf. eine Verlängerungsstange für die Decke. Halten Sie einen Eimer mit Wasser und eine Mischgabel bereit, falls Farbe eingedickt ist – verdünnen Sie sie laut Hersteller (meist max. 5–10 %).
Beginnen Sie mit den Rändern: Schneiden Sie mit dem Pinsel die Kanten an Decke, Fenster und Türen vor – etwa 5–10 cm breit. Arbeiten Sie sich von oben nach unten vor. Für große Flächen verwenden Sie die Walze im „Rücken an Rücken“-Verfahren, um Streifen zu vermeiden: Zuerst einen Zug von links nach rechts, den nächsten direkt daneben, überlappend. Tipp: Arbeiten Sie immer nass-in-nass, also noch feucht anstoßen, damit die Übergänge verschmelzen.
Decken streicht man meist als Erstes – mit einer Verlängerungsstange vermeiden Sie Nackenschmerzen. Anschließend die Wände. Nach dem ersten Anstrich ca. 8–12 Stunden trocknen lassen, dann den zweiten Auftrag in die Quere zur vorherigen Richtung. So wird die Deckkraft optimal. Beispiel einer 60-m²-Mietwohnung in Hamburg: Der Bewohner strich alle Wände und die Decke im Wohnzimmer (20 m²). Mit zwei Anstrichen dauerte die Arbeit insgesamt 2 Tage. Die Ergebnisse waren fleckenfrei, die Struktur der Raufaser blieb erhalten.

Kostenaufstellung im Detail
Hier eine konkrete Aufstellung für ein durchschnittliches deutsches Wohnzimmer (25 m² Grundfläche, 2,50 m Raumhöhe, 62,5 m² Wandfläche + Decke):
| Material | Menge | Preis (€) |
|---|---|---|
| Tiefgrund (Caparol) | 5 L | 18 |
| Raufaserfarbe (Alpina, eimerweise) | 15 L (2x) | 50 |
| Abdeckfolie | 1 Rolle (50 m²) | 12 |
| Kreppband | 3 Rollen | 9 |
| Farbwalze (Felld der Schnur) | 2 Stück | 20 |
| Malerpinsel (2 Zoll) | 2 Stück | 12 |
| Spachtelmasse (Klebe- und Füllspachtel) | 1 kg | 8 |
| Summe | 129 |
Falls Sie einen Maler beauftragen, kommen auf die Materialkosten noch die Arbeitszeit (ca. 20–30 €/m² je nach Aufwand). Für eine 25-m²-Wohnfläche alle Wände und Decke streichen zu lassen, zahlen Sie 800–1.200 €. Der Eigenleistungsanteil spart also rund 600–1.000 €.
Problemlösungen bei typischen Fehlern
Auch mit guter Planung können Probleme auftreten. Häufigster Fehler: Die Farbe schimmert durch oder deckt nicht. Ursache: zu dünner Auftrag oder alte, stark saugende Tapete. Lösung: Eine zweite Grundierung auftragen und die Farbe dicker einstreichen. Rollspuren entstehen bei zu nasser Walze oder falscher Technik – Wechseln Sie zu einer neuen Walze mit kurzem Flor und arbeiten Sie langsamer. Flecken von Nikotin oder Fett kommen durch, wenn die Grundierung nicht ausreichend war. In diesem Fall: mit Isoliergrund (Sperrgrund, ca. 25 €/L) vorbehandeln und dann erst streichen.
In deutschen Wohnungen mit Gipskartonplatten (Neubau) haftet die Raufasertapete oft schlecht, weil der Putz stark saugt. Hier ist eine Doppelgrundierung Pflicht. Ein Kunde aus einer 80-m²-Neubauwohnung in Frankfurt übersprang die Grundierung – die Farbe blätterte nach einem Jahr ab. Der zweite Versuch mit Tiefgrund war erfolgreich.
Fazit: Checkliste für den gelungenen Raufaser-Anstrich
- Tapete prüfen: lose Stellen? Risse? Mit Spachtel reparieren (ca. 8 €/kg).
- Reinigen: Fett und Ruß entfernen, ggf. mit Nikotinreiniger (ca. 12 €/L).
- Grundieren: Bei saugfähiger Tapete Tiefgrund (ca. 18 €/5 L), bei glatter Tapete Haftgrund (ca. 20 €/L).
- Farbe wählen: Deckkraftklasse 1, Matt, ggf. feuchtigkeitsbeständig für Bad/Küche. Kosten: ca. 30–60 € für 10–15 L.
- Werkzeug: Walze, Pinsel, Abdeckfolie, Kreppband – Budget ca. 30–40 €.
- Arbeitsschritte: Ecken mit Pinsel vorstreichen, Walze im Rücken-an-Rücken-Verfahren führen, zweiten Anstrich in Querrichtung.
- Trocknen lassen: Zwischen den Anstrichen 8–12 Stunden, nach Grundierung 4–6 Stunden.
- Endkontrolle: Bei Flecken oder Rollspuren nochmal nacharbeiten.
Häufige Fragen
Kann ich Raufasertapete einfach überstreichen, ohne Grundierung?
Das ist möglich, wenn die Tapete bereits gestrichen ist und nicht stark saugt. In den meisten Fällen ist eine Grundierung aber empfehlenswert, um ein gleichmäßiges Saugverhalten zu gewährleisten und Flecken vorzubeugen. Besonders bei alten Farbschichten oder wenn die Tapete zuvor mit Nikotin oder Fett in Kontakt kam, ist Grundierung Pflicht.
Wie viel Farbe brauche ich pro Quadratmeter?
Richtwert: 0,15–0,25 Liter pro Quadratmeter pro Anstrich, je nach Saugfähigkeit und Deckkraft. Bei zwei Anstrichen rechnet man etwa 0,3–0,5 L/m². Für eine 25-m²-Fläche Wand plus Decke (ca. 62,5 m²) benötigt man also 15–30 Liter Farbe. Ein zehn Liter Eimer reicht für ca. 40 m² pro Anstrich.
Welche Walze eignet sich am besten für Raufasertapete?
Eine Fellwalze mit kurzem Flor (10–12 mm) ist optimal. Sie nimmt genug Farbe auf und verteilt sie gleichmäßig, ohne die Struktur zu zerdrücken. Schaumstoffrollen oder kurze Mikrofasern können die Raufaser flachdrücken. Preis: ca. 10–18 € für eine gute Walze.
Wie bekomme ich den typischen Farbgeruch nach dem Streichen aus der Wohnung?
Lüften ist das A und O. Stoßlüften Sie mehrfach täglich für 5–10 Minuten quer. Achten Sie aber darauf, dass die Farbe nicht zu schnell trocknet – Zugluft vermeiden. Geruchsneutralisierende Farben (z. B. Alpina ohne Lösemittel) riechen weniger. Kölnisch Wasser oder Kaffeeschalen lagen nicht wissenschaftlich belegt, aber helfen subjektiv.
Wie streiche ich Ecken und Kanten sauber?
Verwenden Sie einen schmalen Pinsel (2,5–4 cm) und streichen Sie die Ränder ca. 5–10 cm breit vor. Alternativ können Sie mit einem kleinen Farbroller für Ecken arbeiten (ca. 10 cm breit, abgeschrägt). Achten Sie darauf, nicht zu viel Farbe zu nehmen, sonst läuft sie unter das Kreppband.
Kann ich über alte Nikotinflecken streichen?
Direktes Überstreichen führt meist zum Durchschlagen. Verwenden Sie einen Sperrgrund (Isolierfarbe, ca. 25 €/L) oder einen alkoholhaltigen Reiniger, der Nikotin bindet. Nach der Grundierung können Sie dann ganz normal weiterarbeiten. Bei sehr starken Flecken kann ein zweiter Sperrgrund nötig sein.
Wie vermeide ich Rollspuren und Streifenbildung?
Arbeiten Sie gleichmäßig und vermeiden Sie zu lange Pausen zwischen den Bahnen. Tragen Sie die Farbe nicht zu dick auf – lieber zwei dünnere Schichten als eine dicke. Wenn noch Streifen sichtbar sind, warten Sie die Trockenzeit ab und streichen Sie die betroffene Stelle mit etwas verdünnter Farbe nach.