Viele deutsche Wohnungen, insbesondere in Altbauten der 1950er- bis 1970er-Jahre, haben einen direkten Durchgang vom Flur ins Wohnzimmer. Oft fehlt eine richtige Tür – stattdessen gibt es eine breite Öffnung, die optisch und akustisch keine Trennung bietet. Das führt zu Zugluft, verminderter Privatsphäre und einem unruhigen Raumgefühl. In diesem Ratgeber zeige ich Ihnen, wie Sie diesen Durchgang mit cleveren Möbeln, Stauraumlösungen und Sichtschutz gestalten – praxisnah, kostengünstig und für Mietwohnungen geeignet.
Auf einen Blick
- Problem: Durchgang vom Flur ins Wohnzimmer ohne Tür – Zugluft, fehlende Privatsphäre, unruhiger Raum.
- Lösungen: Raumteiler (Regal, Paravent, Vorhang), Möbelrücken als Sichtschutz, Glas- oder Falttür als dauerhafte Option.
- Kosten: Paravent ab 30 €, Raumteiler-Regale ab 80 €, Schmales Sideboard ab 150 €, Glas-Falttür ab 400 € inkl. Montage.
- Besonderheit: In Mietwohnungen sind Bohrlöcher oft kritisch – nutzen Sie klemmbare oder freistehende Lösungen.

Warum der Durchgang zum Flur oft stört
In einer typischen 65 m² Altbauwohnung in Berlin führt der Flur direkt in das 20 m² große Wohnzimmer. Die Türöffnung ist 1,20 Meter breit, ohne Türblatt. Das hat mehrere Nachteile: Jedes Geräusch aus dem Flur dringt ungefiltert ins Wohnzimmer – vom Telefonat des Partners bis zum Türklingeln. Gleichzeitig zieht es im Winter, weil die warme Wohnzimmerluft in den kühleren Flur entweicht. Zudem fehlt eine optische Trennung: Der Gast sieht sofort das gesamte Wohnzimmer, was besonders in kleinen Wohnungen die Privatsphäre einschränkt.
Ein weiteres Problem: Der Flur ist oft der einzige Stauraum für Jacken, Schuhe und Taschen. Liegt der Durchgang direkt neben der Eingangstür, fehlt eine klare Abgrenzung zwischen „Dreckzone“ und Wohnbereich. In der Praxis zeigt sich, dass ein offener Durchgang auch die Möblierung erschwert: Das Sofa kann nicht direkt an die Wand gestellt werden, weil der Durchgang blockiert wird. Stattdessen entstehen ungenutzte Ecken und Laufwege.
Raumteiler: Die flexibelste Lösung für Mietwohnungen
Der Klassiker unter den Durchgangslösungen ist der Raumteiler. Er trennt optisch, ohne bauliche Veränderungen. Besonders beliebt sind Raumteiler-Regale, die gleichzeitig Stauraum bieten. Ein Modell mit den Maßen 80 x 180 x 30 cm (B x H x T) kostet im Möbelhaus zwischen 80 und 200 €. Achten Sie auf eine ausreichende Standfestigkeit: Regale mit breitem Fuß oder zusätzlicher Kippschutz sind sicherer. Stellen Sie das Regal nicht direkt in den Durchgang, sondern versetzt – so entsteht ein kleiner Windfang, der Zugluft reduziert.
Eine günstigere Alternative ist der Paravent. Ein dreiteiliger Sichtschutz aus Holz oder Stoff kostet ab 30 €. Er lässt sich bei Bedarf zusammenklappen und verstauen. Nachteil: Er bietet kaum Stauraum und ist weniger stabil bei Zugluft. Für einen dauerhaften Sichtschutz empfehle ich einen schweren Vorhang aus Samt oder Thermostoff. Eine Gardinenstange mit Klemmhalterung (keine Bohrlöcher!) kostet ca. 25 €, der Vorhangstoff ab 40 € pro Meter. Bei einer Durchgangsbreite von 1,20 m benötigen Sie etwa 2,50 m Stoff für einen raffbaren Vorhang. Insgesamt liegen die Kosten bei etwa 100 €.
Stauraum im deutschen Flur unterbringen
Möbelrücken als Sichtschutz und Stauraum
Eine clevere Möglichkeit ist, den Durchgang mit einem Möbelrücken zu kaschieren. Stellen Sie ein schmales Sideboard oder eine Kommode direkt vor die Öffnung – aber nicht mittig, sondern seitlich versetzt. So entsteht ein kleiner Windfang, und die Möbelrückseite dient als Sichtschutz. Ein Sideboard mit den Maßen 100 x 80 x 35 cm (B x H x T) bietet Stauraum für Geschirr, Decken oder Bücher. Die Kosten liegen zwischen 150 und 400 €, je nach Material (Massivholz teurer als Spanplatte).
Noch praktischer: ein hohes Regal (z. B. 200 cm Höhe) mit geschlossenen Rückwänden. Es trennt den Raum komplett und bietet auf der Flurseite Platz für Schlüssel, Post und Dekoration. In einer 55 m² Altbauwohnung in Leipzig hat ein Kunde ein Ivar-Regal von Ikea (ca. 100 €) mit passgenauen Sperrholzplatten (30 €) verkleidet – das ergab einen stabilen Raumteiler mit 80 cm Breite. Wichtig: Das Regal muss kippsicher sein, besonders in Haushalten mit Kindern. Verwenden Sie Kippschutzgurte (ca. 10 €).
Glas- oder Falttüren: Dauerhafte Lösung mit Vermieterabsprache
Wenn Sie eine dauerhafte Trennung wünschen, ist der Einbau einer Tür die beste Lösung. In Mietwohnungen benötigen Sie jedoch die Zustimmung des Vermieters. Eine einfache Ganzglastür (rahmenlos) kostet inklusive Montage ab 300 €. Besser geeignet ist eine Falttür aus Glas oder Holz: Sie benötigt wenig Platz und lässt sich komplett öffnen. Eine Falttür aus Aluminium und satiniertem Glas (Breite 1,20 m, Höhe 2,00 m) kostet ab 400 € inklusive Montage. Die Montage dauert etwa 2–3 Stunden und ist reversibel – bei Auszug können Sie die Tür demontieren und die Öffnung mit einer einfachen Zarge verschließen.
Beachten Sie: Der Einbau einer Tür verändert die Raumaufteilung und kann die Wohnfläche beeinflussen (z. B. für die Heizkostenabrechnung). Klären Sie vorher mit dem Vermieter, ob die Tür als „bauliche Veränderung“ gilt. In der Praxis stimmen Vermieter oft zu, wenn die Tür neutral gestaltet ist (weiß, ohne Glas, oder satiniertes Glas). Eine Alternative ist eine Schiebetür mit Aufhängung an der Decke – sie benötigt keine Zarge und ist ebenfalls reversibel. Kosten: ab 250 € für das Set, plus Montage.

Akustik und Zugluft reduzieren: Praxistipps
Selbst mit einem Raumteiler bleibt oft Zugluft. Abhilfe schafft ein dicker Vorhang aus Thermofutter (z. B. von Ikea „Majgull“ für 30 €). Er wird dicht über der Öffnung angebracht und reicht bis zum Boden. Eine Magnetleiste am unteren Rand (ca. 15 €) sorgt für zusätzliche Abdichtung. Eine andere Möglichkeit: eine Türdichtung für den unteren Spalt (ca. 20 € für ein Set).
Akustisch hilft ein schwerer Stoffvorhang oder ein Regal mit Büchern – die unregelmäßige Oberfläche absorbiert Schall. In einem Fall in München hat ein Bewohner ein Billy-Regal (60 €) mit Schallschutzvlies (15 €) auf der Rückseite beklebt – die Nachbarn im Flur waren kaum noch zu hören. Auch ein Paravent aus Akustikfilz (ab 100 €) ist wirksam, aber teurer.
Fazit
- Problem erkennen: Messen Sie die Durchgangsbreite (Standard 80–120 cm) und prüfen Sie Zugluft mit einer Kerze.
- Mietrecht prüfen: Für Bohrlöcher oder Tür einbauen benötigen Sie Vermieter-Zustimmung.
- Budget festlegen: Paravent ab 30 €, Raumteiler-Regal ab 80 €, Vorhang ab 100 €, Falttür ab 400 €.
- Lösung wählen: Für Mieter: Paravent oder Vorhang. Für Eigentümer: Glas- oder Falttür.
- Nachhaltigkeit: Nutzen Sie vorhandene Möbel (z. B. hohes Regal) als Raumteiler – spart Geld und Ressourcen.
Häufige Fragen
Kann ich einen Raumteiler in der Mietwohnung ohne Bohren montieren?
Ja, viele Raumteiler sind freistehend oder werden mit Klemmhalterungen befestigt. Achten Sie auf ausreichende Standfestigkeit, besonders bei Regalen. Kippschutz ist empfehlenswert.
Welche Raumteiler eignen sich am besten gegen Zugluft?
Raumteiler mit geschlossener Rückwand oder dicke Vorhänge (z. B. Samt oder Thermostoff) reduzieren Zugluft effektiv. Ein Paravent allein reicht meist nicht aus.
Wie breit sollte der Durchgang für eine Falttür sein?
Falttüren sind für Breiten von 60–150 cm erhältlich. Messen Sie genau und wählen Sie ein System mit passender Laufschiene. Bei unebenen Wänden ist ein Fachmann ratsam.
Kostet eine Glastür im Durchgang viel?
Eine einfache Ganzglastür ohne Rahmen kostet ab 300 € inklusive Montage. Eine Falttür aus Glas ist teurer (ab 400 €). Die Preise variieren je nach Region und Aufwand.
Wie kann ich den Durchgang optisch ansprechend gestalten?
Nutzen Sie den Raumteiler als Dekofläche: Bücher, Pflanzen, Bilder. Ein Vorhang in Wohnzimmerfarbe wirkt harmonisch. Ein Sideboard mit Spiegel auf der Flurseite vergrößert den Flur optisch.
Ist ein Vorhang im Durchgang brandsicher?
Normale Vorhänge sind entflammbar. In Mietwohnungen gibt es keine Brandschutzpflicht, aber in Eigentumswohnungen kann die Hausordnung etwas vorschreiben. Wählen Sie schwer entflammbare Stoffe (z. B. B1-zertifiziert).
Kann ich den Durchgang auch mit Pflanzen trennen?
Ja, hohe Pflanzen (z. B. Birkenfeige, Monstera) in Übertöpfen (ab 50 cm Höhe) schaffen eine natürliche Trennung. Nachteil: Sie brauchen Licht und regelmäßige Pflege. Ideal als Ergänzung zu einem Regal.